December, 2010

...now browsing by month

 

Der Tigertempel in Kanchanaburi, Thailand

Saturday, December 25th, 2010

© Frank P. Schneidewind

DEATCH V3_1

 

 

Wir waren recht früh am Morgen mit dem Motorrad in Pathum Thani gestartet, um möglichst viel Zeit vor Ort verbringen zu können. Bequemere Bustouren mit Minibussen wären uns zu teuer gewesen und vor allen ist den Herdentouristen dieser Bustouren immer nur eine sehr begrenzte Zeit je angefahrener Destination gewährt. So fuhren wir gemächlich unserem Ziele entgegen. Der Tigertempel stand auf unserem Programm. Bis Kanchanaburi brauchten wir um die 2 Stunden für die knapp 200 Straßenkilometer. Der Tigertempel war von der Stadt aus noch einmal rund 30 KM weiter westlich in Richtung Thong Pha Phum oder Sangkhlaburi auf der Route 323. Mit der Sonne immer im Rücken, freuten wir uns auf das Ziel.

Wildkatzen in freier Natur, dass sollte meiner Lebensgefährtin Melona auf einem ihrer ersten Trips als meine Fotografin genug Fotomotive und auch einen gewissen Erlebnisreichtum bringen. Ich hatte noch viele, weitere Trips geplant und würde über eine Verstärkung meines Ein-Mann-Journalistenteams künftig sicherlich nicht traurig sein, doch ist ihre Entscheidung zu dem Zeitpunkt noch nicht gefallen gewesen.

 

 

Tiger und andere Wildtiere einzusperren, ist sicherlich weder artgerecht noch förderlich für die Fauna einer Region. Obwohl Tiger in Thailand eher zu Hause sind, als beispielsweise in den Zoos von Berlin, Stockholm oder Toronto. Ich habe schon immer ein Faible für wilde Tiere gehabt und schon stundenlang Wölfe im Yukon oder Bären in Alaska beobachten dürfen. Das Szenario hier ist ein Buddhistisches Kloster mit integriertem Wildgehege. Wir kamen als angekündigte Journalisten und die Klosterverwaltung hatte uns eine detaillierte Führung zugesagt, bei der wir frei entscheiden konnten, was wir uns ansehen wollten. Auf der Fahrt dorthin gingen mir die vielen, unterschiedlichen Publikationen nicht aus dem Kopf, welche bereits aus so vielen Perspektiven über dieses Kloster berichteten. Am Kilometerstein 21 auf der Landstraße 323 ging es dann ab von den befestigten Wegen und auf eine Schotterpiste in nördlicher Richtung.

 

Am Straßenrand wies eine Ansammlung von Schildern auf unser Zielgebiet hin. Hier war der legendäre Tiger Temple oder Tigertempel, das Tigerprojekt des Abtes Luang Phor Mabthabua Sampanno irgendwo zu Hause. Melona war ein kleines bischen nervös und auch gespannt auf das, was uns nun erwarten sollte.

Die staubige Schotterpiste zug sich fast bis zu den Bergen am Horizont hin, wir zogen eine lange Staubfahne hinter uns her. In gleißender Sonne wirkten die schattenspendenden Wolken am Firmament nicht bedrohlich, sondern eher gnädig. Aus dem nahen Burma kommend, sind das Vorboten der anstehenden Regenzeit, doch wir sollten an diesem Tag Glück behalten.

Ein Behelfsparkplatz am Rande der eingemauerten Anlage, bot uns eine Parkmöglichkeit. Von hier ging es zu Fuß weiter. Sehr zahm wirkende Rehe und prächtige, asiatische Hirsche in diesem Bereich, freuten sich über die unerwartete Verpflegung aus Melona’s Reiseproviant.

Bananen fressendes Damwild? Na vielleicht ist das ja deren Leckerbissen in den Dschungeln, ich bin da nicht so bewandert. Melona wurde jede einzelne Frucht schnell los.

Der Vorstellung an der Pforte folgte ein allgemeines Briefing, wir wurden getagged und waren uns erst einmal selbst überlassen. Das zugesagte Interview war erst für 16:00 Uhr angesetzt, da verblieb uns noch viel Zeit.


In dem weitläufigen Gelände waren sehr viele wilde Tiere untergebracht. Teilweise in stallähnlichen Behausungen, aber auch in Käfigen. Wir sahen uns erst einmal gründlich um. Tiger sahen wir bisher keine, doch ein Warnhinweis rief die Besucher zur Vorsicht auf:

Die Anlage umfaßte eine Art Steinbruch, hier Canyon genannt. Aus den Schilderungen anderer Besucher vor uns wusste ich, dass dort die Freilaufzone der Tiger war. Hierhin eilten die Touristen, welche mit Tourbussen oder Mietwagen herkamen. Es scheint nicht möglich zu sein, diesen Ort mit öffentlichen Verkehrsmitteln von Kanchanaburi aus zu erreichen.

Im Gegensatz zu den Tourbesuchern, hatten wir sehr viel Zeit. Den Tourveranstaltern dient diese Anlaufstelle als Hauptverkaufsargument, doch in der Regel ist der Aufenthalt hier auf unter 60 Minuten begrenzt. Viel zu wenig Zeit, selbst für einen Kurzbesuch.

Wenn Sie beabsichtigen, hier mit einer Tour herzukommen, empfiehlt sich eine Mindestaufenthaltsdauer von wenigstens 2 1/2 Stunden.

Pfiffige Backpacker mit kleinem Budget, mieten sich in Kanchanaburi von ihrem Guesthouse ein Moped (Kosten i.d.R. unter 6 €/Tag), in rund einer guten halben Stunde kann man es schaffen, bis hierher zu kommen. Die Wegstrecke ist einfach und wenig befahren. Die Öffnung des “Canyons” zeigte sich uns, aber es ging erst noch um ein paar Kurven. Ein Bach fließt hier übrigens nicht, der wäre eigentlich Bestandteil eines Canyons in der Form, wie ich sie bisher in Nordamerika und Afrika erleben durfte.

Eine mickrige Pfütze am Ende des sackgassenartigen Canyons, beherbergte dann auch die ersten, frei herumlaufende Großkatzen. Andere Tiger in dem Bereich davor, wurden von Hilfskräften an Halsketten festgehalten und posierten mit Besuchern für ein Entgeld. Zahlbar an die Hilfskräfte oder an die Ordensbrüder in ihren orangefarbigen Gewändern. Alles wirkte unnatürlich friedlich.


Junge, halbwüchsige Tiger und ausgewachsene Exemplare waren zu bestaunen. Die Größten unter diesen würden wohl die 200 kg Marke locker auf einer Waage überschreiten.

Manche Tiger waren zwar wach, lagen aber faul herum. Melona näherte sich vorsichtig und bedächtig einer rund 100 kg schweren Tigerin und streichelte diese mit ruhigen Bewegungen.

 

Eine weitere Raubkatze beobachtete das ganz genau von einem Felsvorsprung an der Wand des Canyons.

 



Während das offensichtliche Alphatier zunächst scheinbar reglos vor sich hindöste. Dieser männliche Tiger wog sicher mehr, als gesund für mich wäre. Zumindest für den Fall, dass ich seinem Beuteschema entspräche.;).



Ein knackendes Geräusch auf dem losen Untergrund, verursacht von einem hinter uns stehenden Filmer, sorgte  für ein blitzartiges Umschalten vom Dös- auf den Lauschmodus des schönen Tiers. Melonas Fotografietalente starteten für mich an diesem Tag auf einem atemberaubend tollen Level!

Ich erfüllte mir erneut meinen Kindheitstraum und spielte zunächst mit den halbwüchsigen Katzen.

Die waren recht aktiv und ständig in Bewegung, bloß keine hastigen Bewegungen meinerseits machen. Einen Maulkorb hatte hier nämlich kein Tier!


Bei den halbwüchsigen Tigern hatte ich mich bewährt und durfte mich nun an die ausgewachsenen Miezekatzen wagen. Kein geringerer als der Abt persönlich, coachte mich allerdings dabei. Er war zwischenzeitlich hergekommen. Die Bandana ist übrigens kein Fashion Statement von mir, aber sie verhindert sehr wirkungsvoll beißende, eigene Schweißtropfen in den Augen. Das zahlt sich in den Tropen aus und ist Bikern nichts Fremdes.

 

Dem Coaching und Posing folgte eine längere Unterhaltung mit dem freundlichen Herrn. Er bestätigte mir auf meine direkte Anfrage auch explizit, dass kein Tier “Sedatives”oder andere Drogen in das Futter gemischt bekommt. Sedatives ist der englischsprachige Begriff für ruhigstellende, beruhigende oder auch einschläfernde Medikamente.

 

Ich bin mir der Tatsache bewußt, dass dieser Tempel und der Betrieb hier vielen Leuten ein Dorn im Auge ist. Ich habe selbst herumgeschaut und konnte aber überhaupt keine Anzeichen von verwerflichem Umgang mit wilden Tieren feststellen, wenn man einmal von deren nächtlicher Unterbringung in Käfigen absieht. Käfige dienen hier dem Schutz der Besucher, Mitarbeiter und auch der Großkatzen untereinander. Das ist auch in jedem Zoo so.

In Nordostlaos und im Huay Kha Khaeng Nationalpark, ganz hier in der Nähe, aber weiter nördlich, habe ich schon viele Stunden auf der Lauer verbracht, doch mehr als einen Fußabdruck im Dickicht nicht wirklich gesehen. Der Kontakt hier war schon viel realer, doch ich liebe diese Tiere und sehe die am Allerliebsten in freier Wildbahn. 

Friedlich geht es hier laut den Schilderungen des Abtes zu, weil die Tiere regelmäßig und ausreichend gefüttert werden. Der Kommerz, welcher hier mit den Touristen betrieben wird, der erwirtschaftet neben der Verpflegung und Versorgung der Tiere auch deren veterinärärztliche Betreuung und bessere Unterkünfte für den Tierbestand. Mein Eindruck war nicht getrübt von Erkenntnissen, welche in irgend einer Form einen Anlaß zur Besorgnis geben könnten. Mittlerweile ist der Tigerbereich von dem buddhistischen Tempel getrennt und wird gesondert gemanaged. Freiwillige Tierpfleger, auch aus dem Ausland, können hier nun ein Praktikum machen. Hoffentlich tragen die Bemühungen hier zum Fortbestand der Tiger bei, es sind wahnsinnig schöne Tiere!

Ende des Berichtes.


Anmerkung: Wen das hier stört, dass wilde Tiere nicht in freier Wildbahn leben, der denke bitte an die zahllosen Zirkustiere. Hier müssen wilde Tiere nicht erst durch brennende Feuerreifen springen, um etwas zu futtern zu bekommen!

Solche Institutionen, wie diese hier, haben auch eine Existenzberechtigung, denn:

1.) Erlauben sie eine veterinärmedizinische Aus- und Fortbildung am Tier.

2.) Ermöglichen sie Studien zur Arterhaltung und Forschungsarbeiten zum Schutz der Artenvielfalt.

3.) Sensibilisieren Ausstellungen, wie diese, die Besucher für diese bedrohte Tierart.

4.) Erfüllen sie Wunschträume von Kindern und Erwachsenen.

Mittlerweile ist der Tigerbereich als Zoo geführt und nicht mehr Bestandteil des Tempels, wohl aber unter dessen Verwaltung. Gerne stelle ich mich eventuellen Diskussionen (beispielsweise auf unserer Facebook Seite), behalte mir aber vor, unsachliche, unhaltbare oder unsinnige Kommentare nicht zu beachten oder diese auch zu löschen. Es hat etliche Lehnstuhljournalisten gegeben, die niemals hier waren, aber Zeter und Mordio schrien – um ihre Stories an den Mann bringen zu können!

Die Tiere sind deshalb friedlich, weil sie satt sind. Drogen könnte der empfindliche Metabolismus der Tiger gar nicht vertragen und die Großkatzen würden jämmerlich an beispielsweise Nierenversagen eingehen.

Der Handel mit Teilen von Tigern blüht in genau dem Land, wo auch Haifischflossen, Schangenblut, Embryos von Säugetieren und noch ganz andere Sachen als Delikatesse gelten. China und der chinesische Bedarf wird auch dort befriedigt, wenn Chinesen wohlhabend im Ausland hausen.  Körperteile vom Tiger und Nashornpenisse, gelten dort beispielsweise als Aphrodisiac der Sonderklasse. Gezahlte Höchstpreise der kümmerlichen Don Juan’s dort, dezimieren diese Großkatzen in den wenig wohlhabenden Staaten, wo sie zu Hause sind. Der Handel blüht unterdessen weiter!

Deshalb liegt es mir auch fern, hier im Tigertempel den Zeigefinger zu heben und mit Besserwissermaßstäben lautstark nach Perfektion zu rufen. Man tut hier unzweifelhaft etwas für die Tiere und trägt etwas zur Arterhaltung bei. Verächtenswert sind die Praktiken derjenigen, welche wilde Tiere verzehren oder bewußt behindern, um diese zur kommerziell zur Schau zu stellen. Ich denke hier an Adlerdarbietungen auf Phuket (die Tiere haben gestutzte Flügel) und die zahlreichen Schlangenshows in Asien mit Reptilien, denen die Giftzähne herausgebrochen wurden.


Rote Khmer (Khmer Rouge) / Pol Pot (Saloth Sar)

Friday, December 17th, 2010

© (Text) Frank P. Schneidewind

 


©  Ami Vogel

 



Geboren als “Saloth Sar“, am 19.Mai 1925 in der kleinen, cambodianischen Stadt Prek Sbauv, gehörte der, besser unter seinem später adaptierten Namen “Pol Pot” bekannte Massenmörder, zu den privilegiertesten Kindern seines Landes. Sohn eines recht betuchten Landbesitzers mit exzellenten Verbindungen zum Königspalast und den regierenden französischen Kolonialherren. Seine Schwester und weitere Cousinen, waren sogar im königlichen Ballett engagiert. Er besuchte als junger Mensch mehrere französische Schulen und erlangte somit sehr umfangreiche Sprachkenntnisse. Er war aber auch ein extrem fauler Schüler und erreichte nicht einmal die Zulassung zur Abschlussprüfung (Abitur)!

Trotzdem erhielt er im Alter von 24 Jahren (1949) wohl wegen seiner väterlichen Kontakte und seiner eigenen Sprachkenntnisse, ein Stipendium für die Sorbonne Universität in Paris (Frankreich) und zog dorthin um.

1952 trat er der kommunistischen Partei Frankreichs bei. 1953 wurde sein Stipendium widerrufen, denn sein Studium war völlig fruchtlos – er war gänzlich ohne jeden Ehrgeiz oder dem Willen etwas zu erlernen, so attestierten es ihm seine damaligen Dozenten und Ausbilder. Pol Pot kehrte also total erfolglos nach Cambodia zurück und wurde nun Mitglied der frisch aufkeimenden kommunistischen Partei dort im Lande.

In der Folgezeit arbeitete Pol Pot als Privatlehrer in Phnom Penh und führte ein echtes Doppelleben. Tagsüber war er der nette Pauker an der Privatschule, des Abends und auch Nachts war er die treibende Kraft in der zwar noch jungen, aber hochaktiven kommunistischen Untergrundbewegung Cambodias. 1954 streifte Cambodia erfolgreich die Fesseln der Kolonialzeit ab und rief die Unabhängigkeit aus.

Neun Jahre später (1963) wurde er der unumstrittene Führer der Kommunisten in Cambodia, musste aber fliehen und richtete sich in einem vietnamesischen Kommunistencamp an der Grenze zu Vietnam mit einigen Getreuen Gefolgsleuten ein. Die vietnamesischen Gönner ließen ihm nicht viel Spielraum und seine karge Existenz unter deren Schutz und Aufsicht, sagte ihm nun gar nicht zu. 2 Jahre hielt er es dort aber aus und brütete an seinen “Verbesserungen” der kommunistischen Ideologie.

In 1965 bestellten ihn seine kommunistischen Schutzherren nach Hanoi (Nordvietnam). Er lief den gesamten Ho-Chi-Minh-Pfad entlang nach Norden und erreichte nach zweimonatigem Fußmarsch die nordvietnamesische Hauptstadt. Der damalige Generalsekretär “Le Duan” der dort herrschenden Kommunisten, befand sich im Krieg mit dem nichtkommunistischen südlichen Landesteil und auch den Amerikanern, welche Südvietnam unterstützten. Le Duan forderte Pol Pot auf, seine eigenen Pläne zu streichen und sich weiterhin dem Befehlsjoch seines Sekretariats im Kampf gegen den Klassenfeind zu unterwerfen. Gleichzeitig verlangte er von Pol Pot, den bewaffneten Kampf vorzubereiten, damit dieser ihm zu einem späteren Zeitpunkt in seinem Krieg helfen konnte, eine neue Kampffront im Norden und Westen Südvietnams zu eröffnen.

Pol Pot war sehr enttäuscht von den Nordvietnamesen, hatte sich aber nichts anmerken lassen. Kurz später verließ er Nordvietnam in Richtung China und traf sich  mit Regierungsvertretern der dort ebenfalls regierenden Kommunisten. Die so genannte “Kulturrevolution” an diesem Ort, als auch die Grundideologien der Machthaber, sagten Pol Pot so sehr zu, dass er zu diesem Zeitpunkt offensichtlich damit begann seine Loyalität in deren Richtung zu verschieben.

Im Großen und Ganzen darf man sagen, dass der 1.China-Besuch von Pol Pot der große Wendepunkt seiner “politischen Karriere” war.

Seine wirklich große Chance aber kam aber erst im Jahre 1970, als damals der Herrscher von Cambodia, ein gewisser Prinz Norodom Sihanouk, bedingt durch einen blutigen Staatsstreich die Regierungsgewalt an den Militaristen “Lon Nol” verlor.


General Lon Nol
© Source: www.khmerwitica.com

“Lon Nol” war ein sehr pro-amerikanischer Antikommunist und erlaubte in der Folge sogar den südvietnamesischen und amerikanischen Streitkräften den ungehinderten Grenzübertritt nach Cambodia, um den über cambodianisches Territorium angreifenden Kommunisten entgegenzutreten und auch um den nach Attentaten und Anschlägen fliehenden Feinden hinterher zusetzen. Es ist kein Geheimnis, dass sowohl der CIA als auch eine amerikanische Wirtschaftslobby dem Lon Nol bei seinem Coup zum Erfolg verhalfen. Zu dieser Zeit war den Amerikanern fast jedes Mittel recht, um die weitere Ausbreitung des Kommunismus einzudämmen.


Norodom Sihanouk

Source: wikipedia.org 

Prinz Norodom Sihanouk wird übrigens auch die erstmalige Benutzung der Vokabel “Khmer Rouge” in dieser Zeitphase zugerechnet.

In der Folge alliierten sich zunächst die nordvietnamesischen Kommunisten mit denen um Pol Pot. Waffen wurden in größerer Stückzahl geliefert, Landminen und Munition, Artillerie und Sprengstoff in Hülle und Fülle. Die waffentechnische Ausbildung erfolgte ebenfalls direkt durch die Vietcong . Größere Vietcong & Vietminh-Einheiten operierten im Grenzgebiet , und im Besonderen auch tief im Innern des westlichen, cambodianischen Territoriums.

Als die Vietcong sich in 1972 bis hinter eigene Linien zurückzogen, fühlte Pol Pot sich wiederum betrogen – aber seine Khmer Rouge Soldaten, hatten sich mittlerweile zu einer schlagkräftigen und überaus brutalen Guerillatruppe gemausert.

Ein blutiger Krieg mit den regierungstreuen Truppen von Cambodia, überzog dann kurz später das gesamte Land und endete erst im April 1975 mit der Besetzung der Hauptstadt Phnom Penh durch die Khmer Rouge. Fast zeitgleich zogen übrigens die nordvietnamesischen Armeen in Saigon, der damaligen Hauptstadt Südvietnams ein.

Die fast 2 Millionen Einwohner von Phnom Penh, waren zunächst etwas erfreut und hofften, dass die schwer bewaffneten jungen Kämpfer der Khmer Rouge den jahrelangen Kriegswirren nun ein Ende setzen würden – denn schließlich waren es ja diesmal die eigenen Landsleute.

Die Einwohner hatten ihre Rechnung aber ohne Pol Pot`s seltsam verwirrte Vorstellungen einer idealen kommunistischen Struktur gemacht! Binnen weniger Tage zwangen die Khmer Rouge die gesamte Bevölkerung der Hauptstadt in Fußmärschen zu landwirtschaftlichen Konzentrationslagern. Phnom Penh wurde zwangsevakuiert.

Fast das Gleiche passierte in allen anderen größeren Städten von Cambodia. Als Nächstes verboten sie Zeitungen, Bücher, Schulen, Universitäten und schafften Bargeld ab. Privateigentum jeglicher Art wurde als unrechtmäßig erklärt, und die Ausübung religiöser Zeremonien und buddhistischer Messen wurde unter drakonische und irreale Strafen gestellt.

Als: “Democratic Kampuchea” oder “Demokratisches Kambodscha”, deklarierte er nun das total zerstörte Land, welches er regierte. Das war sein damaliges Banner:


Source: Wikipedia.org

Schon eine Brille auf der Nase oder ein Buch in der Hand, waren damals ein ausreichender Grund für Cambodias Bürger, in ein Konzentrations- und Folterlager gesperrt zu werden. Von diesen KZ und Foltercamps gibt es noch heute Dutzende im ganzen Land zu besichtigen. Das berühmteste davon ist wohl das KZ namens “S 21” in Phnom Penh, welches heutzutage zu einem Museum der schrecklichen Zeit umfunktioniert wurde. Kaum ein Inhaftierter hat je diese Lager überlebt.

Jeder Fünfte Einwohner von Cambodia, zusammen etwa 1,5 Millionen Menschen fielen den Khmer Rouge zum Opfer. Im Jahrhundert der vielen Revolutionen war die Revolution der Khmer Rouge vom Verhältnis der Opfer zur Einwohnerzahl eines Landes die wohl mörderischste Revolution der Weltgeschichte gewesen!

Pol Pot glaubte fest an seine selbst gesteckten Ideale, und seine Revolution bezog ihre Energie aus dem kürzlichen militärischen Sieg über die reguläre Armee Cambodias und vor allem auch der “genetischen Überlegenheit aller Khmers”. Seine rotchinesischen Genossen bestärkten ihn auch in seiner Ansicht, der Revolution einen größeren Sprung nach vorne verschafft zu haben. Pol Pot gelang es in dieser Phase, tausende Jugendlicher und Heranwachsender für seine Ziele zu begeistern – und diese zogen unter Absingen kommunistischer Parolen gleich kaderweise brandschatzend und mordend durchs Land. Eine völlige Straffreiheit war ihnen garantiert. Sie zerstörten zahllose Tempel, Bibliotheken, Schulen und Kulturstätten nachhaltig und auf das Gründlichste.

Die gesamte Wirtschaft des Landes war faktisch nicht mehr existent und Pol Pots kühne Pläne – aus Cambodia ein fruchtbares und blühendes Land zu machen, scheiterten allein schon an der nicht mehr vorhandenen Infrastruktur.

Seine Methoden waren dabei oft sehr naiv, unpassend, brutal und utopisch. Ein z.B. in 1976 hastig hingekritzelter 4-Jahresplan (nach erzkommunistischem Vorbild) besagte, dass die landwirtschaftliche Produktionsmenge des Landes binnen eines Jahres verdreifacht werden muss! Völlig ohne landwirtschaftliches Gerät, Bewässerung, Dünger oder ausreichende Mengen an Saatgut.

Aber diese Pläne beinhalteten noch weitere folgenschwere Fehler, denn er zollte der geographischen und klimatischen Situation in Cambodia überhaupt keinen Respekt. Säen kann man nur zum Anfang der Regenzeit in diesem Land, das nur eine trocken-heiße und eine feucht-heiße Saison kennt. Und mit umfangreichen Minenfeldern überall im Gelände verteilt, motivierte man weder Bauern, noch Vieh zur Landarbeit.

Beim Versuch, die irre hoch angesetzten Quoten für z.B. Reisernten dennoch zu erwirtschaften, wurde von den Khmer Rouge kurzerhand einfach die Menge des Anteils für den Eigenverzehr drastisch reduziert. Zehntausende von Landarbeitern starben in dieser Zeit an Unterernährung und Überarbeitung. Dem Hungertod stand nur der Tod durch Erschießen oder Erschlagen als Alternative gegenüber.

In 1977 begab sich Pol Pot zu einem offiziellen Staatsbesuch nach Peking. Die Chinesen hatten in dieser Phase etliche bewaffnete Grenzscharmützel mit den Vietnamesen an ihrer Grenze und somit erheblichste Probleme mit ihren ideologischen Gesinnungsgenossen dort.

China versprach Pol Pot militärische Hilfe und Unterstützung bei Aggressionen gegen Vietnam, sowie auch moralische Unterstützung in den politischen Gremien der Welt für seine radikalen Pläne.

Gegen Ende des Jahres 1977 gab es ständig wiederaufflackernde Kampfhandlungen an der Grenze zu Vietnam und die Vietminh als auch die Vietcong lieferten sich erbitterte Feuergefechte und blutige Grenzscharmützel mit den Khmer Rouge. Die Kommunisten in China freuten sich darüber und lieferten fleißig weitere Waffen, Munition und auch Landminen im Überfluss.

Ein erneuter und groß angelegter Angriffskrieg, diesmal initiiert von den Vietnamesen – überschwemmte im Jahre 1978 das geplagte Land. Pol Pot sagte damals nur lapidar: “Wenn jeder Khmer Rouge 30 Vietnamesen tötet, dann sei der Krieg leicht zu gewinnen!”

Pol Pot bat seine chinesischen Gesinnungsgenossen nun direkt um Truppenunterstützung, aber diese Hilfe wurde ihm verwehrt. Weil sie lediglich als Guerillas in entsprechenden Taktiken ausgebildet waren, wurden die Khmer Rouge Kampfverbände von den kriegsgewohnten Vietnamesen förmlich überrannt und massakriert.

Am Weihnachtstag 1978 überrollte in einer Art asiatischem Blitzkrieg eine zweite Woge von weit über 100.000 gut ausgerüsteten, vietnamesischen Soldaten das Nachbarland und alles Wesentliche fiel binnen Tagen in ihre Hände. Pol Pot blieb nichts weiter übrig, als zu fliehen. Die vietnamesische Rote Armee besetzte Phnom Penh am 7. Januar 1979, aber die Stadt war komplett von allen Einwohnern ein weiteres Mal evakuiert worden.

Die vietnamesischen Besatzer setzten 1979 eine Marionettenregierung in Szene, die vorwiegend aus fahnenflüchtigen Verrätern (aus der Sicht der Cambodianer) bestand. Von diesen Herren sitzen heute noch etliche an der Macht!

Neben einigen Reisen nach Bangkok und Peking, verbrachte Pol Pot die nächsten 18 Jahre in den unzugänglichen Dschungeln im nördlichen Cambodia, in der Gegend von Anlong Veng. Treue Gefolgsleute und die Reste seiner Guerilla-Armee beschützten ihn nach Süden. Die starke Thai-Army sorgte in seinem unmittelbaren Norden für eine relative Sicherheit.

Bis weit in die 90er Jahre hinein gab er dort Lehrgänge für junge Anhänger der Khmer Rouge, die in zahllosen Guerilla-Attacken, vorwiegend im nördlichen Cambodia, immer wieder durch Mord und Totschlag von sich reden machten. Erste Touristen wurden entführt und getötet, immer wieder floss das Blut Unschuldiger.


Ieng Sary

used under Creative Commons Attribution 2.0 Generic
Author: ECCC Pool/Mak Remissa

 

Im Jahre 1996 kündigte ihm dann sein engster Freund, Gefolgsmann, Schwager und Außenminister, Ieng Sary die Freundschaft und wechselte zum erklärten Klassenfeind und Kriegsgegner, den vietnamesischen Besatzern über. Tausende der verbliebenen Khmer Rouge folgten diesem Beispiel.

Der legendäre, einbeinige General Ta Mok (genannt: “Der Schlächter”), Kommandeur aller verbliebenen Khmer Rouge, verhaftete Pol Pot, nachdem dieser einige von Ta Moks Offizieren aus fadenscheinigen Gründen brutalst hinrichten ließ. 

Kurz vor seiner eigenen Verhaftung, machte Pol Pot noch mal Schlagzeilen – denn er ordnete die Hinrichtung seines engen Freundes und langjährigem Kampfgefährten Son Sen nebst dessen gesamter Familie, Kinder und Enkel an. Die Hinrichtung erfolgte übrigens mittels LKW, der über die Köpfe der gefesselten Opfer hin und herfahren musste.

Am 15. April 1998 lauschte er, in der Gefangenschaft sitzend, dem Radiosender “Voice of America” (oder übersetzt: “DIE STIMME AMERIKAS”), der ihm unmissverständlich mitteilte, dass Ta Mok ihn den Amerikanern ausliefern möchte, um ihn vor ein Kriegsverbrechergericht zu bringen.

Pol Pot erwähnte seiner Frau am Morgen noch gegenüber, dass er sich nun recht schwach fühlen würde. Er legte sich hin und war gegen 10 Uhr bereits tot.

Der Report besagt Herzschwäche, aber auch ein Selbstmord ist nicht auszuschließen. Sein Tod hat, genau wie sein Leben – viele Fragen unbeantwortet gelassen.

Sein Leichnam wurde vor Ort verbrannt.

Ta Mok wurde kurze Zeit später inhaftiert, aber zwei der weiteren führenden Khmer Rouge, Nuon Chea und Khieu Samphan lebten lange völlig unbehelligt in Pailin, der rechtsfrei wirkenden Zone im direkten Grenzgebiet zu Thailand. Ob jemals das UN-Tribunal urteilt, ist fraglich. Mittlerweile ist der Prozess gegen die vergreisten Überbleibsel des Killerregimes zwar im Gange, doch wahrscheinlich werden sie an Altersschwäche sterben bevor dieser Prozess beendet ist.


Ta Mok

Ein paar allerletzte, den Khmer Rouge Restverbänden noch zuzurechnende Kampfhandlungen gab es nordwestlich von Siem Reap im Februar des Jahres 2000, und in der Nähe der Ortschaft Stung Treng an der laotischen Grenze in 2001. Kidnappings von Touristen mit Hinrichtungen der Geiseln, gab es noch zu Hauf in den 90er Jahren.

Nun herrscht ein relativer Frieden im Land. Ich habe es schon oft bereist und es gefällt mir sehr. Die Menschen dort sind extrem freundlich und aufgeschlossen. Narben des 30 jährigen Bürgerkrieges gibt es überall zu sehen und sehr viele Kriegsversehrte. Die Beseitigung der Landminen, denen noch heute in jedem Jahr Hunderte von Menschen zum Opfer fallen, wird noch einige Jahrzehnte dauern.

Der Schauprozess ist irgendwie im Gange, aber der wird den 2 Millionen hingerichteten oder verhungerten Bürgern des Landes nicht mehr helfen können. Er soll aber wahrscheinlich irgend welche Gewissen beruhigen.


Videos von Peter Scholl Latour:

Peter Scholl Latour : Soldaten der Apokalypse 1/4

Peter Scholl Latour : Soldaten der Apokalypse 2/4

Peter Scholl Latour : Soldaten der Apokalypse 3/4

Peter Scholl Latour : Soldaten der Apokalypse 4/4

© Text by Frank P. Schneidewind / Bilder Wikipedia / 1. Video Amy Vogel / 2.. Video Phoenix – Peter Scholl Latour