Bangkok´s Khlongs – Eine Wohnkulturepoche neigt sich ihrem Ende zu

Written by Frank on January 13th, 2010

(c) 2010 Frank P. Schneidewind

 

 

Als Thailands fruchtbarste Agrarregion kann man mit Sicherheit die weitläufige Chaopraya Tiefebene bezeichnen. Mit der Hauptstadt Bangkok im Süden dieser Region gehört sie auch zu den Dichtbesiedeltsten. Flutsicheres Bauland für Wohnhäuser war schon immer sehr rar, großflächige Aufschüttungen eine recht kostspielige Angelegenheit.

Zahllose Entwässerungs- und Dränagekanäle (Khlongs oder Klongs) verliehen dem aufblühenden Bangkok schon zu Beginn des vorigen Jahrhunderts den Ruf eines „Venedigs des Ostens“. Grundwasserspiegel von nur wenigen Spatenstichen unter der über lange Zeit angeschwemmten Erdoberfläche und jährlich wiederkehrende Monsunfluten bedingten schon historisch eine Bauweise, welche vorwiegend auf Pfahlgründungen basierte.

Geologisch gesehen, ist das gesamte Tiefland Thailands ein riesiges Sedimentationsgelände mit natürlich anstehendem Fels in kaum erreichbaren Tiefen! Alle Pfahlgründungen im Sand oder Morast sind daher nur von recht kurzer Lebensdauer und überstehen selten eine ganze Generation.

Nachdem die etwas höher gelegenen Flecken schnell bebaut und genutzt waren – und Bangkok schon seit Urzeiten Hauptzuwanderungsgebiet für Bürger aus dem Hinterland war, dehnten sich Wohngebiete nicht nur flächig weiter aus, sondern vereinnahmten auch stadtweit die Ufer aller natürlichen Gewässer und das von Menschenhand geschaffene Kanalsystem. Nicht selten standen komplette Wohnhäuser auf Pfählen frei über dem Wasserspiegel der Khlongs, Meist hatten sie aber noch einen landseitigen Zugang und wurden auch vom Wasser angedient. Etwaige Anbauten oder Erweiterungen der Wohnflächen wurden überwiegend wasserseitig vorgenommen, denn dafür war auch kein kostspieliger Landerwerb vonnöten.

Die Verwendung von hochgelegten Stegen und Brückenkonstruktionen, früher aus wasserresistenteren Holzarten, später dann auch aus Stahlbeton angefertigt, sorgte für die Erschließung immer neuer Wohnviertel in der unmittelbaren Peripherie der Kanäle und Flutbecken. Viele Häuser waren zur Regenzeit nicht mehr trockenen Fußes ohne Boot erreichbar.

Es entstand so eine Subkultur, der man auch die „Tante-Emma“ Verkaufsladenboote, ja sogar ganze schwimmende Märkte und als „Schulbus“ verkehrende Fähren zurechnen kann. Der Postbote kam gepaddelt und fast jedes Haus hatte einen kleinen Pier oder zumindest einen Bootssteg. Etliche nutzten den Freiraum unter dem Haus bei niedrigen Pegelständen als Bootsgarage. Ganze Stadtviertel wuchsen so als Pfahlbaugemeinde heran.




Diese Pfahlbausiedlungen verkamen oft im Zuge der Zeit zu Slums und Behausungen für Niedrigstverdiener. Künstlich angelegte Kanäle gab es massig besonders in den Gebieten um Bangkok Noi, Pathum Thani und dem gesamten, angrenzenden Flachland. Hier lebende Menschen in Ihrer Subkultur waren fern dem Prunk und Protz der immer weiter expandierenden Metropole und der Moloch Bangkok schüttete weiterhin Kanäle zu und betonierte offene Wasseroberflächen einfach zu.

Nun hat die Expansion in vollem Umfang bereits die Aussenbezirke erreicht und ein Sterben der einst blühenden Khlongkultur ist unaufhaltsam. Noch gibt es geldbringende Touristenattraktionen, wie die einst dominanten „Schwimmenden Märkte“ und Kanaltouren, doch immer häufiger sind diese Märkte fast nur noch Tandstationen für billigste Souvenierartikel oder Plastikkram aus China. Echte Anwohner gibt es nicht mehr wirklich oder nur noch wenige, junge Leute ziehen weg und kehren nicht mehr retour. Die untergehende Kultur erkennt man auch beim immer größer werdenden Anteil verfallender oder verwahrloster Khlonghäuser auf den von Touristen beliebten Kanalbootstouren. Noch ist Zeit, sich das Ambiente einmal persönlich anzugucken, doch schon in wenigen Jahren wir das Alles ein Teil der schnelllebigen Historie Siam’s sein.


Nicht vorhandene Müllbeseitigung der Stadtväter in diesen Regionen beschleunigt deren Verfall zusehends, der Ghettoisierung wird dadurch noch ein beschleunigender und gesundheitlich arg bedenklicher Faktor hinzuaddiert.

 

 

 

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