Thailand-Burma Dschungel Abenteuer

Written by Frank on October 5th, 2010

© 2010 Frank P. Schneidewind

Wir tourten mit dem Geländewagen im äußersten Westen Thailands. Für meinen Sohn Franky sollte diese Reise auch seine ersten Erfahrungen im Umgang mit dem Führen eines Fahrzeuges vermitteln. Wir waren im extremen Westen unterwegs, im direkten Grenzbereich zu Burma und suchten den E-Sa Wasserfall. Der Weg zu diesem E-Sa Wasserfall war gut ausgeschildert, allerdings konnten wir kaum glauben, dass hier viele Touristen den Weg hinfinden werden.  

Die ebenfalls mit ausgeschilderte “Herbal Farm of Thailand” war wohl nur der Privatacker eines pfiffigen Bauern hier, Nichts war dort zu sehen oder zu erwerben.

Wasserfälle spielen im Leben eines Buddhisten eine große Rolle  und das Bad in einem Wasserfall verspricht neben dem Reinigungseffekt des Körpers, auch einen solchen der Seele und des Gemütes.  

Die kleine Zufahrtsstraße war nicht viel mehr, als ein Wirtschaftsweg oder Trampelpfad, stellenweise bereits halb zugewuchert.  

Wir kamen an ein Bachbett mit mittelprächtigen Stromschnellen…Wasserfall? Wo war hier denn bitte ein Wasserfall?  

Die kühlen Fluten hier schienen momentan, saisonbedingt reichhaltig zu sein. Regenfälle im Gebirge flossen nach hierher ab. Das Wasser war wirklich kalt und es machte Spaß eine Weile im Bach herumzustaksen. Zahlreiche Fische gab es hier auch und dann sahen wir ihn…ja, nicht weit von uns entfernt lag er… THE BEACH.

….der wohl einzige Beach im Changwat Uthai Thani! Gerade mal ein paar Schubkarren voller Sand, schön hier angespült worden von den Fluten. Supersauber und sehr feinkörnig, ein idealer Beachsand. Länge über Alles vielleicht 3 bis 4 Meter, Breite so um die 2 Meter.  Schade, denn wir hatten keinen Sonnenschirm und Strandliegen mit, den hätten wir sonst locker chilloutmäßig in Beschlag genommen :).

Es wurde langsam an der Zeit, sich um eine Schlafgelegenheit zu kümmern, denn die waren hier  sehr dünn gesät.  Wir fuhren über die Landstraße in südlicher Richtung weiter, bogen dann aber in Höhe Huay Khot scharf nach rechts (Westen) auf eine kleine Straße ab. Hier wollten wir dem Gerücht nachgehen, dass hier die wunderschönen Wurzelmöbel aus Bangkoks Designermöbelshops herkommen.  

Das Gerücht erwies sich in Bezug auf die Möbel als Ente, aber wir bekamen gute Informationen wo wir diese Sachen letztendlich doch finden könnten. Einmal um das Krasieaw-Reservoir herum müssen wir noch und das war wirklich riesig groß.  

Das schnuckelige Resorthotel in der Nähe von Ban Rai mit dem palastartigen Holzbau ist leider “ausgebucht”. Das entlarvte ich schon bei einem Blick zum leeren Parkplatz hin als schlichte Lüge. Hier will man uns offensichtlich gar nicht als Gäste haben, denn das angebliche Resort  schien gar kein Personal ausser ein paar Guards zu haben, typisch Offseason halt.   Na gut, dann eben ab in Richtung Burma, mitten in das für meinen Sohn noch unbekannte Territorium hinein.  

Wir hatten noch ca. 2 Stunden Tageslicht und die wollten wir auch nutzen.  Schon nach wenigen Kilometern hörte die Asphaltstraße aber plötzlich ganz auf. 

Viel Vieh bevölkerte stellenweise die Piste und wir fuhren im Schrittempo weiter. Manchmal stieg Franky aus und nötigte die Hornviecher zum Platzmachen. Sie waren sehr gutmütig und keinesfalls bösartig, sahen aber nicht unbedingt friedlich aus. Die glühenden Augen der Viecher erklärten sich aus dem Blitz der Digicam. Wir mussten schon den Blitz verwenden, denn die Lichtverhältnisse waren recht dürftig.  Es bewölkte sich zusehends.

Hier gab es viele Siedlungen der Kareans, wie man an den behelfsmäßigen Schilfbehausungen sehen konnte. Wir begegnen mehreren Viehhirten, die ihr Vieh abendlich wieder in die Nähe ihrer Hütten treiben. Man beachte die 50cm Machete in der Hand des Karean-Girls! Ihre Brüder von der KNU Rebellenarmee werden allerdings noch besser bewaffnet sein, doch wir waren keine Zielgruppe der Rebellen. 

Immer weiter in den Dschungel drangen wir vor und manchmal lag ein Bambusstamm quer über den Trail, Franky machte sich hier oft sehr nützlich und räumte den Weg frei. Den auch mitgenommenen US-Army-Klappspaten mit dem einseitigen Hackebeilschliff und integrierter Säge, den brauchten wir jedoch nicht einzusetzen.

 

Wir kommen an die militärische Sperrzone und werden gecheckt. Hier war ein Ausbildungslager der Spezialeinheiten der Thai-Streitkräfte. Imaht Isai nannte man das Lager und hier war für die meisten Touristen der Weg in Richtung Westen zu Ende. Wir kamen in das KNU (Karen National Union) Kernland, hier spielte die 4. Folge der Rambo Serie (John Rambo), jedoch ohne dass sich Filmemacher oder gar Sylvester Stallone jemals hier hergetraut hätten. Der Konflikt hier ist der älteste, noch andauernde Bürgerkrieg der Welt, er began bereits in 1949!

GPS Waypoint Imaht Isai Camp  (last considered safe zone, before KNU territory west of this point)
15 07,217 N
99 23,007 E
400 M.ü.N.N. 

Für uns ging es aber noch einige Kilometer weiter. Das sich nun ein Problem mit dem Sprit abzeichnete, dass war von mir so beabsichtigt. Mein Sohn wusste das aber nicht und ständig schielte er auf die blinkende “EMPTY”-Anzeige des Armaturenbretts. Ihm war ja auch nicht, bewusst, dass der Ölkanister im Gepäck kein Öl, sondern eine Reserveration Kraftstoff enthielt.  

Wir checkten noch bei dem westlichen Posten der Militärboys aus dem Sperrgebiet aus.  Doch bei der Auffahrt zur Moobaan (Gemeinde) Isai, einem der höchsten Geländepunkte auf dieser Strecke, da stotterte der Motor und wir mussten anhalten.  Der Gag kam supergut an, als ich Franky erzählte – er müsse nun entweder zu den Militärs zurücklaufen oder aber zur nächsten Moobaan (Ansiedlung) und etwas Sprit organisieren. 🙄  Er schnürte schon seine Stiefel und murmelte sich sehr leise ein paar nicht so ganz druckreife Sachen in den noch gar nicht vorhandenen Bart.

Das alles läuft natürlich unter der Rubrik: “Erzieherische Maßnahmen für Nachwuchabenteurer”. Als halbwüchsiger Mann war er mit dem Fahren im Gelände hervorragend klargekommen, seine erste Praxis im Autofahren übrigens.

Mit seinen noch recht bescheidenen Kommunikationsmöglichkeiten in der thailändischen Sprache hätte er es sicherlich nicht leicht gehabt, uns den Sprit zu besorgen.  Von dem 5 Kilometer Fußmarsch einmal ganz abgesehen.    

Aber das war ja nur ein Gag, wir haben ja seit dem Start unserer Tour einen behelfsmäßigen Reservekanister voller Diesel im Wagen mitgeführt. Ein normaler Ölkanister ohne Ausgießer. Ich stelle Franky nun vor die Aufgabe, den Sprit in den Tank des Fahrzeugs zu bekommen – und er überlegt einen Moment..und macht mich dann sehr stolz!  

Mit dem Leatherman-Tool, welches er von mir zu seinem 15. Geburtstag bekam, schnitzte er aus einer im Wagen mitgeführten Trinkwasserflasche eine trichterähnliche Schütte für den Sprit. Das passte gut und mit der kleinen Maglite funzelten wir uns im Dunkel zurecht. Nicht blöde, hatte Franky vor dieser Aktion noch die Wassertropfen aus der Schütte entfernt. Man wusste ja nie, wie empfindlich dieser Motor gegen Feuchtigkeit von Innen ist. Normalerweise kann ein großer Motor das schon ab, aber sicher ist sicher!  

Im Foto oben erkennt man, daß dank Franky’s Wasserflasche wirklich nur sehr wenig von dem kostbaren Naß danebenlief. Hier war weiteres Vordringen in der Dunkelheit dann nicht mehr empfehlenswert. Schwerbewaffnete Rebellen schützen ihre Ansiedlungen mit erstaunlich viel Feuerkraft vor Übergriffen durch Streitkräfte oder Schergen der Militärjunta. Diese nähern sich zwar nie vom Osten kommend, aber ich hielt unser dunkles Gefährt für ungeeignet, weiter westwärts vorzudringen. Laut GPS waren wir bereits fast außerhalb Thailands und der Musso konnte in der Dunkelheit mit einem Militärfahrzeug der arg verhassten Erzfeinde verwechselt werden. Diesen eigentlich friedlichen Menschen gehörte  meine volle Sympathie und ich kannte deren Sicherheitsbedürfnis aus früheren Trips hierher sehr gut.

Es ging dann aber wieder südöstlich und die Weiterfahrt über Ban Rai nach Dan Chang im  Changwat Suphanburi verlief ohne besondere Vorkommnisse. 7 km östlich von Ban Rai trafen wir auf die Hauptstraße Nummer 333 und folgten dieser bis hinein nach Dan Chang.  Die Zivilisation hatte uns wieder, auch konnten wir den Musso wieder volltanken.

In Dan Chang angekommen, waren wir erstmal mordsmäßig hungrig und verschlangen an einem Straßenstand jeder eine ordentliche warme Mahlzeit. Das Hotel unserer Wahl lag nun nur noch einen Kilometer von der großen Straßenkreuzung im Ort entfernt in Richtung Osten.

Wir sanken dort ziemlich erschöpft in die Federn und schliefen uns einmal so richtig aus. 

Der folgende Morgen bescherte uns wieder verhangenes Wetter, na sei es drum – wir haben guten Mut und vor allem wieder frischen Tatendrang!  Unser erstes Etappenziel nach dem Frühstück ist der Khaisieauw-Stausee.  

Hier, im extremen Nordzipfel der Provinz Suphanburi gibt es sonst nicht viel. Das Reservoir regelte die Bewässerung der Farmen dieses Regierungsbezirkes und stellte auch die Versorgung der Bevölkerung mit gutem Trinkwasser, sogar in langen Dürreperioden sicher.  

Wir parkten unser Fahrzeug am Fuße des Damms, und liefen einen Wanderweg hinauf auf die Dammkrone. Leider überraschte uns hier oben ein fieser Wind mit Nieselregen und wir verweilten hier nur sehr kurz. 

Blick über die Dammkrone:  

Wir fuhren weiter und kommen wieder in den Nationalparkbereich. Hier, auf der westlichen Seite des Stausees gibt es zahlreiche Holzschnitzer und Wurzelmöbelhändler.  Wir schauen uns bei einem dieser freundlichen Zeitgenossen etwas näher um und Franky wird beim Erinnerungsfoto lange und ausgiebig vom zufällig auch anwesenden Bürgermeister  der Gemeinde die Hand geschüttelt:  

Von hier geht es dann über eine nicht auf den Karten verzeichneten Dschungeltrasse weiter direkt westlich. Wir überquerteen auch gleich mehrere Höhenzüge und kamen an unzähligen Bachdurchquerungen vorbei. Teilweise war die Strecke so schlecht befahrbar, dass einer von uns immer vorneweg lief, um das Terrain und vor allem den Untergrund zu sondieren.


Die Strecke war mit unserem Allradfahrzeug wirklich soeben noch zu bewältigen, teilweise waren die Steigungen so stark, dass man über der Motorhaube nur noch den grauen Himmel oder das Dschungeldach sah – ist schon ein komisches Gefühl für den Fahrer. Franky macht das am 2. Tag seiner Autofahrpraxis schon wie ein Profi. Der Junge zeigte echtes Talent und lernte eine Menge für seine eigene Zukunft, schade bloß – dass wir nicht viel mehr Zeit gemeinsam haben. Sein Abitur stand ihm bevor und eine schulische Ausbildung hat eben Priorität.

Das GPS zeigt uns bis 750 m ü.NN an. Die Piste ist manchmal sehr breit und ausgewaschen, manchmal sehr schmal und holprig. Der Musso zeigte, was er kann und liess uns nicht im Stich. Allradantrieb ist hier nach Regenfällen absolut unabdingbar.  

An einer Senke sahen wir viele zerknickte Bambuspflanzen. Die riesigen Fußabdrücke im weichen Untergrund neben der Fahrbahn im Morast, verrieten uns gleich, wer hier am Werk war. Eine Wildelefantenherde schien hier zu residiert oder getobt zu haben. Nein, nicht die lieben und gutmütigen Gesellen, die ihr aus den Touristenparks und Zoos kennt. Diese hier sind echte, wilde Jumbos und der größte unter denen hat die jungen Triebe der umliegenden Bäume bis in satte 5 Meter Höhe kahlgefressen!   

Kein guter Platz für eine längere Rast beschlossen wir und so fuhren wir dann auch weiter.   Immer wieder Elefantendung auf der Strecke und der Bewuchs links und rechts bildete auch oft über uns ein dichtes Dach. Auf dem letzten Anhöhe dieser Route bot sich uns ein schönes Panorama dar. Unter uns sahen wir einen See und dessen Inseln, sowie auch mächtig dicke Regenwolken. 

Wir fuhren weiter direkt westwärts und kamen an einem weiteren Aussichtspunkt an.

Irgendwie wurde die Straße besser, aber sie führte nun oftmals dicht am steilen Abhang vorbei. Langsam und vorsichtig tasteten wir uns an den zahlreichen Stellen vorbei, wo Regenfälle die gesamte Straßenkonstruktion teilweise weggewaschen hatten.  

Diese Stelle hier sah gar nicht so schlimm aus, aber man erkennt den Sachverhalt ganz gut. An vielen Stellen sind wir gar nicht erst ausgestiegen, weil die verbliebene Fahrbahnbreite nicht zum Türöffnen und Aussteigen ausgereicht hätte.

Im Gegensatz zu den Washouts (Auswaschungen) gab es auch noch Mudslides (Erdrutsche) und Felsknicker in Fußballgröße, oftmals quer über der Fahrbahn verteilt.  

Wir kamen teilweise nur sehr langsam voran. Die tiefe Wildnis verliessen wir dann bei Si Sawat an dem See, den wir des Öfteren von den Aussichtspunkten erspäht hatten. Müde wurden wir auch langsam, aber es war ja nicht mehr sehr weit bis zu einem Bett und einer Dusche in Kanchanaburi!

 

4 Comments so far ↓

  1. Gut, informativ und unterhaltsam geschrieben!
    Gruß
    Wolfgang

  2. Gonzo says:

    Schriller Trip, der Sohn hatte bestimmt eine unvergessliche Zeit dort!

    Klasse mit dem GPS Daten, auch in den Vorberichten.

    Gonzo

  3. Hans @Pungparamee says:

    Hallo Frank ist schön, noch mal was von dir zu lesen. Ich habe eben die Adresse deiner Seite von einem deiner Bekannten bekommen.

     

    Gruß Hans

    PS: freut mich, das du wieder auf dem Damm bist!

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