Retour aus den Grenzdschungeln zu Burma

Written by Frank on October 6th, 2010

© 2010 Frank P. Schneidewind

Die restlichen Meter zum Sri Nakarin Stausee, den wir schon von der Aussichtsstelle aus gesehen hatten, verlief ohne besondere Vorkommnisse auf graduell besser werdenden Straßen. Si Sawat hieß die größere Ortschaft hier am Ufer und die Straßen ab hier waren in bekannt guter Thai-Asphaltqualität. Irgendwo sehen wir dann das Hobbyprojekt eines Thais, der wohl zuviel Geld übrig hat. Ein Riesenschiff liegt hier am Ufer festgemacht und sieht seiner Fertigstellung entgegen.  Wie man hier in dieser gottverlassenen Einöde ein vielstöckiges Passagier-Kreuzfahrtschiff für offensichtlich mehrere hundert Passagiere auch nur konzipieren kann – das wird auch für uns ein ungelüftetes Geheimnis verbleiben.

In südlicher Richtung fuhren wir am Seeufer entlang und werden Augenzeugen einer Schandtat.  Die Straße endet an einem Fährenrämpchen und ein Trucker hat seinen völlig verdreckten und verölten LKW mitten im hiesigen Trinkwasserreservoir geparkt – und unterzieht diesen einer gründlichen Wäsche. 

Farbenfroh schillert die Wasseroberfläche hier in allen Regenbogenfarben, aber der Sauberkeitsfanatiker weiß wahrscheinlich gar nicht, dass mit jedem Liter Öl den er hier hineinspült, 100.000 Liter Trinkwasser verseucht sein werden.  Tote Fische und ölverdreckte Vogelleichen dümpeln zahlreich in dieser Idylle herum. Mir schwellen die Halsschlagadern an, aber ich muss mich zusammenreißen, denn ich bin ja nur geduldeter Gast hier.

Hier existierte dann auch eine offene Autofähre zum anderen Seeufer hinüber. Die Fähre war zwar etwas betagt, aber immer noch wirklich gut in Schuß.

Wären wir nicht eben noch Augenzeugen einer echten Umweltsauerei gewesen, hier wirkt sonst fast Alles wirklich idyllisch unberührt und sauber. Dem See kann man hier bis fast auf den Grund schauen.  Für uns brach der Abend herein und die restlichen 100 KM bis nach Kanchanaburi legten wir über die Straße 3199 immer in Richtung Südsüdost im Zwielicht und später in der Dunkelheit zurück.  Hotels gab es hier nur wenige. Wir wussten aber, dass in Kanchanaburi etliche brauchbare Herbergen auf uns warteten.

Ein leichter Nieselregen begleitete uns auf der gesamten Strecke und stellenweise sorgen tiefhängende Wolken für schier undurchdringlichen Nebel. Wir fuhren sehr vorsichtig weiter. Gegen 20:00 Uhr rollen wir in Kanchanaburi ein. Ein ereignisreicher Tag liegt hinter uns und Franky turnt am Markt erstmal auf einer hier abgestellten alten Showlokomotive herum.

Hier ist auch der Bahnhof oder zumindest das, was man in der Provinz unter einem Bahnhof versteht.

Hinsichtlich einer Schlafgelegenheit haben wir ein Stückchen weiter die Hauptstraße hinunter großes Glück. Das Prunkhotel hat noch ein kleineres dazuerworben, und dieses neue Tochterhotel wirbt mit Niedrigpreisen, aber dem gleichen Service und sogar identischem Mobiliar in den Zimmern, wie das Prunkhotel nebenan hat.

Franky und ich ziehen nach dem Checkin noch einmal etwas um die Häuser und essen erstmal richtig zu Abend. Die süßen Promo-Girls der Disco hatten an Franky großen Spaß, und hätten meinen Junior gerne gleich dabehalten.

Die unmittelbare Nähe des riesigen Massagesexbunkers stört uns nicht in unseren Träumen und den Krach von der Straße nahmen wir auch nach dem ereignisreichen gestrigen Tag nur noch wie durch dicke Wattebäusche wahr. Franky jagt bei der Morgentoilette noch einen fetten, dunkelroten Kakerlak mit einer Zeitung und entsorgte ihn dann nachhaltig und fachgerecht im WC.

Beim Frühstück flirtet er dann mit einer wunderschönen, vielleicht 16 jährigen Servicekraft, die mit ihrem unbestechlichen Lächeln eine sehr angenehme Laune verbreitete. Der Kaffee schmeckte abgestanden und fade, der Toast war laff und nicht braun genug, die Butter zu weich und die Eier zu hart….aber egal, Franky gefiel es hier sehr.

Wir cruisen gemütlich durch die Backpacker-Gegend von Kanchanaburi in Richtung Fluß. Hier hat offensichtlich die Khao San Road eine Dependance, denn die Zielgruppe scheint weitestgehend identisch zu sein. Hippietypen mit langem Zottelhaar fahren auf den klapprigen Fahrrädern der Drahteselverleiher umher und laben sich mit ihren Wickelrockweibchen an den Billigtouri-Freßständen.

Die Kajak-Rentaltypen und Elefantentrekking-Bookingoffices haben derzeit in der Low-Season keine Hochkonjunktur. Nur vereinzelt sieht man Aktivität.  Wir rollen auf den fast leeren Riesenparkplatz bei der Brücke und werden fast von wahren Horden von Reisebussen gescheucht. Japaner, Australier und auch chinesische Pauschaltouris fallen hier in Horden ein.

Kanchanaburi, eigentlich ein eher verträumtes Provinznest mit viel Natur und wenig Industrie ist deshalb auf der touristischen Landkarte zu finden, weil hier in den 40er Jahren die japanische Besatzungsarmee ein KZ errichtete, und man die dort beschäftigten Kriegsgefangenen Briten, Australier und andere alliierte POW’s dazu zwang, eine Brücke über den Fluß Kwae zu bauen.

Das Ganze wurde dann in sehr theatralischer und heroischer Form zum Gegenstand eines oscar-einheimsenden Filmes der frühen Monumentalfilmepoche. Unter : “Die Brücke am River Kwaiwar der Leinwandschinken in 1957 ein internationaler Erfolg. Alec Guinness und William Holden spielten die Hauptrollen.

Der gepfiffene Marsch der Kriegsgefangenen zu ihrer Fronarbeit ist damals ein “Gassenhauer” gewesen, und jedermann kannte ihn. Noch heute hat diese Filmmelodie einen sehr hohen Wiedererkennungswert, und wird z.B. von der elitären Eastern & Oriental Railroad Company den Edelpassagieren ihrer Hochpreis-Bahntouren bei der Passage dieser Brücke vorgepfiffen. Reine Showsache, denn weder die Brücke von heute noch die Melodie, hat irgend etwas mit den wirklichen historischen Geschehnissen gemeinsam.

Die Brücke von heute ist neben der Golden Gate Bridge bei San Francisco das meistfotografierte Brückenbauwerk dieses Planeten. Warum fragt ihr, denn die Brücke sieht so unscheinbar aus, wie Dutzende anderer in Asien auch.

Lange nach Beendigung der Kampfhandlungen im 2, Weltkrieg wurde sie als Ersatz für die völlig zerbombte Originalbrücke gebaut, nur der Standort ist annähernd der Gleiche wie damals. Maenam Kwae, River Kwai – wen stört das schon, amerikanische Sprachbanausen haben uns ja auch Haidelbörg, Cologne und Munich beschert. Dass der bajuwarische Märchenkönig Ludewicht ein guter Freund von Walt Disney war, denn er hat das Cinderella Castle in Neuschwanstein ja schließlich vom Walt kopiert, das wissen wir ja auch alle schon länger!

Nun locken die Touristendollars und selbst das hochoffizielle TOT  (thailändische Touristenbehörde) verleugnet hier in Kanchanaburi den wirklichen Namen des Flußes.

Selbst so früh am Morgen klicken die Kameras der Pauschaltouris in einem Stakkato, wie man es nur noch aus dem Wat Phra Keo, der Krokodilfarm oder dem Angkor Wat kennt.

5 Tages-Touren mit 37,5 Stops in mindestens 13 Städten, sind bei den Chinesen besonders beliebt. Sie hetzen auch hier bei dem 8 Minuten Stopover einmal über die Brücke hin und her, um bei dieser Gelegenheit je 3 bis 10 Rollen Film zu verschießen.

Wir haben einen kleinen Vorsprung vor dem Tourimob und den nutzen wir – denn die müssen zunächst noch ihre Souvenirshoppingsucht in dem an den Parkplatz angrenzenden “Spezial Qualitätstouri-Discountshop” befriedigen

Die Brücke bietet (übrigens noch eintrittsgeldfrei!) den Touristen die Möglichkeit hinüberzulatschen. Auf den zwischen dem einen Schmalspurgleis verlegten groben Brettern ist das auch ein wahres Abenteuer für die Stöckelschuhladies aus den Bussen. High Heels bringen uns hier zu verhaltenem Gröhlen!

Uns beirrt das aber nicht und wir überqueren die Brücke recht schnell, um vor dem Ansturm noch einige Fotos machen zu können.

Die Brücke bietet im Überquerungsbereich des Flußes Ausweichbalkons für den seltenen Fall, das hier ein Ausflugsbummelzug Touris herbringt. Im Gleisbereich gibt es kein Geländer und die Passage ist für ältere und gebrechliche Zeitgenossen wirklich nicht zu empfehlen.

Auf der anderen Flußseite geht es schwerstens neppermäßig zu!

Hier angesiedelte fliegende Händler haben Unmengen an Tand im Programm. Natürlich zu Wucherkursen!

Schon die Hinweisschilder sind zielgruppengerecht in japanischer, koreanischer und chinesischer Sprache abgefaßt. Es soll hier der Eindruck erweckt werden, als sei man in Burma – obwohl die Grenze noch über 100 KM entfernt ist.

Die meisten Dooftouristen glauben das dann aber nicht und ein “Borderguard” in burmesischer Phantasieuniform läßt sich dann auch gern von den “todesmutigen” Touristen gegen deftige Bezahlung mit den anderen Pauschaltouris ablichten. Seine AK 47 verschießt kleine Plastikkugeln, und die Rambos unter den Touris greifen beherzt zu RPG-Atrappen oder anderen Plastikwaffen im Echtlook. Sowas ist einfach nur erbärmlich schäbig.

Ansonsten viel billiger Handarbeitstand und sogar “Original Burmese Jewellery” – naja, so manch’ Oberschlauer wird später einmal feststellen, das sein Original “Burmesischer Rubin” bei nüchterner Betrachtung doch erheblich mehr Ähnlichkeit mit rotgefärbtem Glas hat.

Ein privates “Museum” mit wilden, aber hochflexiblen Eintrittsforderungen ist in einem zeltähnlichen Bauwerk untergebracht und hier gibt es massenweise alte Fotos zu bestaunen. Die gleichen Fotos kann man aber auch auf dem Chatuchak-Flohmarkt in Bangkok an jedem Wochenende für 10 Baht erstehen – deshalb streichen wir das von unserem Plan. Wir weichen den dichter werdenden Touristenströmen aus und machen uns auf den Rückweg über die Brücke zum Auto.

Mitten auf der Brücke hören wir plötzlich ohrenbetäubend laute Musik. Chinesische Weisen dringen da an unsere Ohren und wir sehen uns suchend um.

Es dauert einen Moment, bis wir die Quelle des unangenehmen Schalles entdeckt haben!

Ein Schlepper zieht unten auf dem Fluß eine Karaokedschunke durch die Fluten.

Immer lauter werdend zog der lärmende Konvoy langsam unter uns durch. Der Schalldruck dort unten muss körperverletzenden Charakter haben, aber schlimmer noch sind wohl die falschen Töne zum Dröhnbass – denn selbst die Landsleute, die hier auf der Brücke in Richtung “Burma” dackeln, verziehen das Gesicht seltsam.

Gelangweilt und vielleicht fast bewußtlos vom Krach und dem Mekhong/Soda (oder was immer auch die Bänkelsänger dort auf dem Kahn vernichten), hängen die Passagiere lethargisch und zugeballert auf der Dschunke herum.

Fast auf der anderen Seite angekommen knipsen wir noch die sündhaft teuren “Speedboats”, die hier in der Hochsaison willige Touristen zu Freierpreisen über dem Maenam Kwae kutschieren. Im Hintergrund sieht man auch eines der hier zahlreich vertretenen gastronomischen Betriebe zu Wasser.  Seafoodspezereien zu fettesten Abkocherpreisen, aber man gönnt sich ja sonst nichts, auf so einer Megatour durch ganz Thailand in unter einer Woche.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

3 Comments so far ↓

  1. Kann mir also, dank dem Bericht, einen in der Zukunft geplanten Besuch dort sparen. Das Flair aus dem Film ist hinüber…

    • SIAMPEDIA says:

      Hallo Wolfgang

      So wie im Film wars dort vor Ort nie – der wurde in SRI LANKA gedreht. Sehenswert ists trotzdem wenn man Infos hat wie die Touristenfallen zu meiden sind. In der Gegend gibt noch genügend andere Ziele wie z.B. den Tiger Tempel

      Thomas
      TEAM SIAMPEDIA

  2. SIAMPEDIA says:

    Hey Wolfgang!
    Fahre ein paar km weiter in Richtung Thong Pha Phum, da kommste an den Hellfire Pass mit der Death Railway. Dort hält das Australische POW Commitee eine hervorragende Dokumentationsstelle zum Trassenbau bereit. Die Witzbrücke ist nur etwas für Pauschalos 🙂
    Frank

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