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Bangkok Airport Rail Link, ein Schildbürgerstreich auf Schienen

Sunday, April 15th, 2012

© Frank P. Schneidewind

Mit sehr viel Werbung wurde seinerzeit die etwas unglücklich platzierte Airport Schienenverbindung zwischen der Stadt Bangkok und dem neuen Großflughafen Suvarnabhumi im Kobrasumpf östlich der Stadt bei Lad Krabang gefeiert. Zum dritten Male erkoren die Bauherren (nach der BTS und der U-Bahn) ein Firmenkonsortium unter Mitwirkung des Unternehmens SIEMENS mit der Realisation. Rund 1 Milliarde US-$  an Kosten und 5 Jahren an Bauzeit später, ging der Airport Link im August 2010 in Betrieb. Die knapp 30 km lange Strecke verläuft vorwiegend auf Pfeilern und verläuft fast schnurgerade über dem alten Gleiskörper der Makkasan Eisenbahnlinie in den Osten, bis die Streckenführung eine 90° Rechtskehre auf das Flughafenareal bedingt und ebenerdig wird. Die Züge aus dem Hause Siemens sind elektrisch betrieben und beziehen Ihre Energie über ein Überkopfkabel per Stromabnehmer.

Sehr fraglich ist die Konzeption, hier sowohl einen Non-Stop Expresszug vom Endpunkt an der Phaya Thai Station zum Airport, als auch einen Zubringerzug mit 6 Zwischenstops einzusetzen. Der einzige Überholpunkt für den Expresszug auf der Strecke ist beim Hua Mak Bahnhof. Nur die jeweiligen Endhaltepunkte der Gesamtstrecke bieten separate Gleise sowohl für den City-Line genannten Zubringerzug, als auch den Airport-Link Expresszug.

Sinnig wäre eine Verlängerung bis zum alten Airport Don Muang gewesen, welche diesem ein Nachleben als Ausweichflughafen für Billigairlines oder inländische Flugrouten verschafft hätte. Auch eine Verbindung mit echten Verkehrsknoten wäre ja praktisch. Aber um zur Phaya Thai Station zu gelangen, muss ein Reisender sich und sein Gepäck erst einmal in ein Taxi zwängen oder mit der BTS herfahren. Im letzteren Falle spricht Reisegepäck schon dagegen, denn für Koffer oder große Rucksäcke besteht da ja gar keine Mitnahmeoption in der BTS-Hochbahn!

Die Stationen der Luxusbahn über den Köpfen der Stadtleute befinden sich in gigantischen, offenen Hallen entlang der Strecke. Um in diese Höhe zu gelangen, muss sich der Reisende zufällig auf der richtigen Stationsseite befinden. Sonst ist schleppen oder Stufen klettern angesagt. Ein Lift existiert zwar meist, ist aber in der Regel nicht ausgeschildert. Rolltreppen führen nur recht selten auf die luftige Plattform.

Markierungen auf dem Boden korrespondieren üblicherweise mit der Position der Türen während des Haltes. Eine Profilierung der Bodenfliesen an der Bahnsteigkante entspricht den Erkenntnissen aus der europäischen Unfallverhütung und hilft Sehbehinderten. Hier kommt ein Blinder ohne Begleitung aber erst gar nicht hoch, denn unten ist auf dem Trottoir auf entsprechende Markierungen verzichtet worden.

Securityschergen in Parkwächterwesten mit Springerstiefeln und wild aussehenden Militärkäppis bevölkern tagsüber die gähnend leeren Bahnhöfe. Das war somit sicherlich ein lang geplanter Schachzug der schlauen Regierung, um einigen unqualifizierten Arbeitslosen vor Einkommenslosigkeit zu bewahren. Bestimmt erhöht das auch das Sicherheitsgefühl der vereinzelten Reisenden. Englische oder andere Sprachkenntnisse, als Thai und vielleicht Chinesisch, haben diese Gesellen aber nicht. Auf Anfrage gibt es maximal ein breites Grinsen und den bedeutsamen “Mai rue!” (Weiss ich nicht) Ausspruch.

Noch lange nicht jeder einfahrende Zug plant auch einen Stop. Die teuren VIP-Express Züge sausen nur ‘mal eben schnell durch, wirbeln aber wenigstens die Luft etwas auf.

Laute Durchsagen über das Lautsprechersystem vom freundlichen Automaten kündigen dann aber (sogar in Thai und Englisch!) irgendwann einen Zug an, der auch zu Halten beabsichtigt. Hier kann dann zügig auch zugestiegen werden.

Die fette Action und langweilige Warterei bescherte unserem mitreisenden Knirps ein ungeplantes Nickerchen. Sehr überrascht waren wir über anwesende Fahrgäste im Zug. Unser Bahnhof war der zweite oder dritte auf der Strecke, diese kamen somit wohl vom Startpunkt der Linie. Überfüllt war es aber nicht wirklich.

Getreu den Vorbildern der Jahrhunderte alten S-Bahnen und U-Bahnen in der ganzen Welt, befindet sich hier ein entzifferbares Schilda-Schild über jeder Tür. Da kann dann aufmerksam der Fortschritt der Reise bezeugt werden. Aircondition rennt natürlich im Kühlschrankgang und die deutsch/österreichische Kältetechnik der Siemens-Züge versagt keinesfalls.

Am Endpunkt der Fahrt im Airport hetzen dann alle Insassen zu ihren jeweiligen Zielpunkten. Die Bahnsteige sind hier von zusätzlichen Türautomaten abgeschottet.

Wenn man 120 Sekunden Zeit zum Warten hat und mit einem Kinderwagen unterwegs ist, dann erscheint der Airportbahnhof wieder so menschenleer, wie ein Foyer des Technikmuseums nach Ende der Besucherzeiten. Es war früher Nachmittag eines stinknormalen Werktages, aber hier gehen die Uhren offensichtlich etwas anders. 😆

Fazit für uns: Tolle Sache, diese kultige Geisterbahn. Hocheffizient, spottbillig und ein echtes Wunderwerk der Technik. Müssen wir nicht nochmal haben, weil die Schildbürger-Linienführung wohl geplant kaum mit anderen Transportmitteln vernetzt ist. Ein Taxi kann ich ohne den Bahnsteig- und Wartemist immer und sofort in Bangkok abgreifen. Das kostet nicht unbedingt mehr und erspart uns das Herumschleppen des Gepäcks. Thais sind sehr stolz auf dieses Ding, traut Euch bloß nicht etwas Abfälliges darüber zu sagen. Vielleicht wird es irgendwann dann ja auch bezahlt. Es ist ja bekanntlich in Thailand nicht unbedingt üblich, für verrichtete Bau-Dienstleistungen nach Plan auch eine Bezahlung derselben zu arrangieren. Erst im letzten Jahr mussten von Vermögensverwaltern Thai Flugzeuge in Deutschland beschlagnahmt werden, um für eine Autobahn auf Stelzen die überfällige Bezahlung einzuleiten. Diese ist übrigens eine Bezahlautobahn mit ordentlicher Maut und spielte bereits über viele Jahre fette Einkünfte in die Säckel der Betreiber. Der deutsche Bauherr ging seinerzeit in Konkurs und Tausende von Arbeitern, Technikern und Ingenieuren wurden damals entlassen, damit hier kreuzungsfrei und Überkopf viel Geld gescheffelt werden kann. Mal sehen was das hier noch für ein Nachspiel hat. Es sind bereits kühne Pläne für eine Streckenverlängerung in beide Richtungen auf dem Tisch. 😎

SIAMPEDIA entschuldigt sich ausdrücklich und gewissermassen prophylaktisch für eventuell hämisch klingende Formulierungen, diese dienen keinesfalls der Denunziation unseres Gastlandes oder deren unbezweifelt hoch begabter Verkehrsplaner und Politiker! Wir sind voller Hoffnung, dass unsere satirisch angehauchten Dokumentationen und Reports keinem auf die Füße treten oder gar ungehobelt ‘rüberkommen!