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Diebesmarkt Bangkok – Nachts, wenn Andere schlafen!!

Thursday, December 3rd, 2009

© Frank P. Schneidewind

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UPDATE: jetzt mit Videoclip!

 

 

 

An jedem Samstag geschieht es aufs Neue. Bereits in den frühen Nachmittagsstunden errichten fleißige Händler in einem ganzen Stadtviertel der Metropole ihre Zeltzeilen, breiten ihre Verkaufsdecken aus oder montieren ihre transportablen Marktstände.

Es müssen Tausende von Händlern sein, die hier ameisengleich jede begehbare Gasse, eine jede Treppenstufe, ja sogar Straßenbäume, Bauzäune und die Frontvergitterungen der hier ansässigen Geschäfte für ihre Waren in Beschlag nehmen. Viele Tonnen an Waren werden in Rekordzeit ausgeladen. Um 17 Uhr, wenn der Verkaufsmarathon startet, muss ein jedes Lieferfahrzeug entfernt sein, denn die Käuferscharen kommen pünktlich! Es grenzt an ein Wunder, aber klappt doch jedes Mal.

„Diebesmarkt“, schon alleine der Name verleitet zum Aufhorchen! Finstere Gestalten, vermummte Banden gibt es hier aber nicht, nur Waren, Händler und Käufer.

Waren können und werden durchaus oft aus Hehlereien aus Einbrüchen und Diebstählen entstammen, allein der Zustand mancher Dinge hier ist für diese Vermutung ein sicheres Indiz. Kaum jemand wird z.B. sein Autoradio ausbauen und dabei die Kabel nur abreißen oder eine Digitalkamera der neueren Generation ohne das passende Ladegerät, die Bedienungsanleitung und das Futteral feilbieten. Doch zum Warenangebot selber kommen wir noch später. Historisch war dieser Diebesmarkt in einem anderen Stadtviertel Von Chinatown zu Hause, nämlich dem Nakhon Kasem Viertel. Doch im Laufe der letzten 20 Jahre ist der Nakhon Kasem Market eher zu einem fast reinen Touristen-, Tand-, und Andenkenmarkt geworden.

Hehlerwaren werden nun unter anderen Sachen schon lange in einem recht versteckt gelegenen Stadtviertel angeboten. Thais wissen das natürlich und strömen an jedem Wochenende hier in wahren Scharen hin. Das Viertel kann man auf einer Straßenkarte grob mit dem Gebiet umreißen, in dem sich die Straßen: Mahachak, Worachak, Charoenkrung, Suar Pa Road und Thanon Phayabaan Klang miteinander vernetzen bzw. liegen.

Händler hier sehen oftmals ganz und gar nicht heruntergekommen aus und bringen ihre Güter nicht selten in feudaleren Pickups oder großräumigen Geländewagen her, aber es gibt auch noch die per TukTuk und Handkarren anreisenden Kollegen, die vielleicht noch nicht so lange „im Geschäft“ sind.

Eine spezielle Marktpolizei hat es hier, die kümmern sich im Wesentlichen um Streit bei Platzvergaben unter den Händlern und sorgen dafür das Fahrzeug vor Marktbeginn entfernt wurden. Schon 2-3 Stunden vor dem Start ist in weitestem Umkreis keinerlei Parkfläche mehr auszuspähen.

 

Marktbesuchern empfehle ich daher dringend, bei Anfahrt mit eigenem PKW, eine sichere Abstellmöglichkeit schon im Bereich des Hauptbahnhofes Hua Lamphong aufzusuchen. Dort ist es relativ sicher, beleuchtet und bewacht. Unvorsichtige Zeitgenossen brauchen sich später wirklich nicht zu wundern, dass ihr eigenes Radio, Lenkrad mit Airbag oder die Rückspiegel auf einer Trottoirverkaufsdecke in einer Gasse des Marktes schon wieder unschuldig nach einem neuen Besitzer rufen. Laternenparkplätze gibt es in ganz Chinatown kaum, in Armut lebende Einheimische viele – und gebrauchtes Einbrecherwerkzeug jeder Art gibt ein paar Straßen weiter auf dem Diebesmarkt für ganz kleines Geld!

Hierher kommt man mit dem TukTuk, dem Bus oder dem Taxi. Genau so, wie es die Einheimischen ja auch tun. Um Schlag 17 Uhr geht es dann so richtig los, denn nun rennen aus allen Anfahrtstrassen die Händler dorthin, die nur einen kleinen Platzbedarf haben. Sie führen ihre Waren in Rucksäcken oder Reisetaschen mit und füllen in wenigen Minuten die soeben noch mit Lieferfahrzeugen vollgestopften Straßen des Viertels. Inmitten der Straße entsteht binnen einer Viertelstunde eine neue Marktzeile mit Decken auf dem Boden, einfachen Kartonstreifen oder Klapptischchen.

Es ist noch nicht an der Zeit für zaghafte Gemüter, nur die hartnäckigsten unter den Schnäppchenjägern machen sich nun auf die Socken und eilen mit noch leerem Rucksack auf dem Rücken in dem katastrophal unorganisiert wirkenden Gewirr herum und suchen gezielt nach Wertgegenständen wie Edelschreibgeräte, Markenuhren. Der Besucher mag gar nicht glauben, was es hier so Alles gibt.

Ich selbst habe mir hier schon ein einmal benutztes GPS-Gerät gekauft, dessen Vorbesitzer wütend war, das er die Menüführung nicht auf Thaidisplay umstellen konnte. Eine Backup-Digitalkamera für meine Reportagereisen war hier nicht viel teurer, als die im Gehäuse noch befindlichen Akkus samt SD-Speicherkarte im Fachgeschäft kosten würden.

Das Warenangebot verrät oftmals die Herkunft der angebotenen Artikel, ein Standsortiment mit deutschsprachigen Reiseführern, Elektrorasierern, Schmuck und Reisegepäck wird seinen Ursprung wohl in einem oder mehreren Hotelzimmern gehabt haben. Computerfestplatten allerneuster Generation ohne jede Umverpackung aus 24er Packs in Styroporplatten sind in Minuten ausverkauft und „fielen“ wohl vom LKW oder fehlen nun im Bestand der Festplattenwerke im Norden der Stadt. Am Montag wird es auf etlichen Baustellen Bangkoks lange Gesichter geben, wenn man im Elektrogeräteschrank nur noch gähnende Leere vorfindet. Allein das Beobachten des Geschehens hier hat seine eigenen Reize für mich.

Mittlerweile hat jede noch so kleine Lücke in den Marktzeilen weitere Anbieter vorzuweisen und auf den engen Gehwegen zwischen diesen beginnen die regulären Besucher ihren Marktrundgang. Es beginnt langsam zu dämmern und mir fallen viele dieser kleinen neuartigen LED Taschenlampen auf, die fast jeder mit sich führt. Man kann so etwas auch für ein paar Baht kaufen, wenn man keine mitgebracht hat. Bei 40 Baht kann man da ja nicht viel verkehrt machen. Nicht jeder Händler hat eine Beleuchtung und Stromversorgung am Stand. Das Getümmel, das Hin- und Hergerenne der Profis auf der Jagd weicht einem gemächlichen, aber sehr dichtem Menschenstrom, der nun an den Ständen vorbei fließt.

Nicht oft gibt es Gelegenheiten zum Verschnaufen, die Breiten der Gehwege unterschreiten einen Meter oftmals, bei Gegenverkehr an Passanten führt das oftmals zu ungewollten Berührungen. Das wiederum nutzen Trick- und Taschendiebe aus, man sollte hier (in Chinatown immer!) besonders auf seine Geldbörse Acht geben und Mobiltelefone am Gürtel befestigt zu haben ist auch ein oft gemachter Kardinalfehler. Frauen unter den Besuchern sollten bei der Wahl des Schuhwerks und auch der Handtasche bedenken, das die Gehsteige oft uneben sind, Versätze und Stolperfallen gibt es an jeder Ecke, und überall lauern Bettelkinder oder auch erwachsene Diebe auf eine sich bietende Gelegenheit, einer beispielsweise unbeholfen vor sich hin staksenden High-heels Dame ihre vielleicht gestern erst gekaufte Gucci-Handtasche nebst Inhalt zu entreissen.

Nach 22 Uhr beginnt sich das Geschiebe in den Gängen etwas zu lichten, wer fleißig war und ein gutes Schritttempo vorlegte, der hat nun bereits 20% des gesamten Marktes gesehen. Nun findet man eher die Muße, ein paar Fotos zu schießen, einen Snack aus der Garküche zu sich zu nehmen oder sich mit den Auslagen der Dealer näher zu befassen.

Die Mitnahme einer Straßenkarte ist nicht nötig, denn das Marktgeschehen spielt sich nur in einem unsichtbar abgegrenzten Territorium ab. Um den Markt herum verlaufen große Verkehrsstraßen und man kommt von überall relativ schnell an ein Taxi oder TukTuk, wenn der Spaß des Schnäppchenjagens abklingt, die wunden Füße sich melden oder gar der Rucksack so voll gestopft mit Geshopptem ist, dass es einfach nicht mehr geht. Anfängern empfehle ich gerne, sich nur dieser Marktperipherie entlang zu bewegen. Bis man dann wieder am Ausgangspunkt ist, hat man etliche Kilometer abgeschritten.

An besonders attraktiven Angeboten gibt es für mich hier immer zum Beispiel die Anbieter des Airlinezubehörs. Nein, ich sammle keine Kaffeelöffelchen mit dem Signet der Fluglinien oder Kotztüten aus den Sitztaschen. Ich bin da als Resident in Thailand scharf auf für Touristen ganz banal wirkenden Sachen. Kaffeerahm von Bärenmarke, Käse aus dem Emmental, die gute Zentis Marmelade oder kleine Riegel von edlen Schweizer Schokoladen. Muss man nicht vermissen, wenn man die Kniffe Bangkoks kennt! Die kessen Saftschubsen der Gourmet-Airlines werde diese Dinge nicht vermissen, denn ihr Cateringservice rüstet die Wägelchen ja für jeden Flug erneut voll auf.:)

Das Angebot als auch der jeweilige Standort wechselt immer, ob ich nun mit einem Kilobeutel von Mini-Babybelkäse oder australischem Chester heimkehren werde, das weiß ich vorher nie. Im Angebot ist immer das, auf was die Airlines gerade nicht gut genug aufgepasst haben, so denke ich. Besonders die Feinschmeckerartikel aus den feudaleren Passagierklassen der Airlines gelten bei mir persönlich als wahre Schnäppchen des Diebesmarktes.

Der Schwerpunkt des Marktes hinsichtlich des Angebotes liegt aber eindeutig eher in den Bereichen der Heimwerkerei, Krad & Kfz.-Zubehör, Kleinantiquitäten, Buddhafiguren und Bekleidung aller Art. Es gibt hier am mobilen Stand wahrscheinlich mehr Armaturen und Brauseschläuche, nebst allem Zubehör zu erstehen, als in jedem gutsortierten und großen Baufachmarkt.

I-Pods, Laptops und andere elektronische Spielzeuge gibt es hier ohne jede Gewähr und oft ohne Zubehör, dafür halt spottbillig. Auch Kameras kann man hier vor Ort nicht wirklich ausprobieren, man geht schon Risiken ein.

Irgendwann geht auch dem hartgesottensten Marktprofi die Puste aus. Man sehnt sich nach Klimaanlage oder einfach einem Platz, wo man sich hinsetzen kann. Die chinesischen Gehweganbieter von Entengerichten mit Reis, deren Grillvögel mich vorhin beim Vorbeigehen noch so traurig aus der Glasvitrine mit ihren toten Augen angeschaut haben, die boykottiere ich. Doch nicht etwas weil deren Essen nicht schmecken mag, sondern weil kein Mensch bin, der sich an einem Klapptisch auf einem Plastikhocker mitten im Gehsteiggedränge wohl fühlen kann.

Ich selber habe auch bestimmt keine Präferenz für US-Fastfood, aber habe mich auch schon dabei ertappt, im KFC auf der Worachak Road neben dem Klong Thom Center in der Marktperipherie beider klimatisierten Atmosphäre dort bei einem Eistee etwas abzukühlen, bevor ich eine erneute Marktrunde wage.

Gekühlte Getränke für durstige Marktbegeher gibt es an jeder Ecke, der eine kauft sich halt etwas im 7eleven (schwer zu finden hinter der schultergeschlossenen Reihe mannshoher Kühlschränke des Dealers davor), ein Andere zieht vielleicht den Schluck Whisky oder den billigsten Reisschnaps aus der Flasche vor, den meist ältere Chinesinnen im Labyrinth der Gassen in der Marktmitte neben ihren lose verkauften Zigaretten anbietet.


Selbst um Mitternacht herrscht noch reges Treiben vor den Ständen, aber man kann sich nun auch etwas bewegen und sich nach einem Gegenstand auf einer Decke bücken, ohne das man gleich von anderen Passanten per sanftem Druck gegen den Hintern in die Auslage befördert wird.

Hübsche Verkäuferinnen bieten hier selbstgeschneiderte Nachthemden an und finden nun auch die Zeit für einen kleinen Flirt, doch ich habe keine Verwendung für ihre Sachen. Auch der wieselflink vor sich hin Kopfbedeckungen häkelnde Reggae-Gaukler zieht mich für einen Moment in seinen Bann. Erste Anzeichen von Schlappheit zeichnen sich bei mir dann weit nach Mitternacht ab. Erst beim Verlassen des Marktes fotografiere ich noch schnell ein paar traumselige Händler, die hier an ihren Ständen oder den angebotenen Sitzmöbeln eingeschlummert sind. Der Markt währt noch bis in die sonntäglichen Nachmittagsstunden und weitere Besucherscharen werden sich am Morgen noch einfinden.


Ich halte diesen Markt uneingeschränkt für die allerbeste Schnäppchenmeile in ganz Thailand, aber ein Besuch am Sonntag lohnt sich nicht so sehr, denn die wirklichen Occasionen haben dann alle schon lange neue Besitzer gefunden.

Das Preisgefüge hier liegt weit unter dem Chatuchak Niveau, das liegt in erster Linie wohl an nicht vorhandenen Mengen von Touristen mit zu prall gefüllten Geldbörsen. Hier shoppt man unter Thai Schnäppchenjäger, die paar Farang (Ausländer) sind immer dieselben, auf der Jagd nach der  einmaligen Gelegenheit.

Saphan Phut, der ungewöhnliche Markt zwischen Bangkok’s Brücken!

Thursday, December 3rd, 2009

© Frank P. Schneidewind

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Blumenmeer und mehr! Nicht nur Casanova und Rasputin wussten, wie man Frauen begeistern kann! Jon Bon Jovi war mit seinem Songklassiker „Bed of Roses” auch nicht der Einzige, der an ein mit Rosenblättern bedecktes Bettchen dachte, in dem er seine Geliebte niederbetten und verführen wollte. Was das mit Thailand und Bangkok zu tun hat oder wie leicht und preiswert es sein kann – Ihrer Frau, Geliebten oder Freundin ein unvergessliches Erlebnis zu verschaffen, das erfahren sie im Innenteil dieser Ausgabe. Beim „Bed of Roses” muss das rosige Blumendekor nicht viel mehr kosten, als wie 2 Schachteln Zigaretten in Europa!

Bangkoks Brücken über den Chaophraya Fluss sind nach und nach dem Stadtbild hinzugefügt worden. Der Gegenstand dieser Reportage sind zwei Märkte welche beide eigentlich ungewöhnlich und einzigartig sind.

Exakt zwischen der in den 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts von Engländern erbauten Memorial Bridge und der Phra Pokklao Bridge genannten Betonkonstruktion aus den 70er Jahren befindet sich eine Strasse, die nur von Taxen oder den Bussen der Linie 8 als Wendeschleife vor der Brückenüberquerung benutzt wird.

Noch vor der einsetzenden Dämmerung beginnt hier täglich, ausser an Montagen, ein geschäftiges Treiben. Fleissige Marktbeschicker bauen ihre Stände auf und karren ihre Waren in rauhen Mengen aus den dem Besucher verborgen bleibenden Warenlagern heran. Es gilt, mehrere hundert Meter Marktlänge mehrzeilig bis zum offiziellen Start um 20:00 Uhr aufzubauen, zu bestücken und zu beleuchten. Dies geschieht im Handumdrehen durch ameisengleiche Marktfachkräfte.

Na ja, ein Flohmarkt wie jeder andere auch, wird sich so mancher Leser denken, aber dem ist wirklich nicht so! Hier finden sich vorwiegend Teenager und Twens aus der Mittel- und Oberschicht ein, welche sich mit aktuellster Designergarderobe oder auch US-Markenjeans aus zweiter Hand eindecken möchten. Das Angebot ist riesig. Sportschuhe in neu und gebraucht, die unvermeidlichen Modeschmuckdealer und sehr viel Garderobe aller Art und Qualität. Als besondere Attraktion für die jüngeren Thai hat es hier auch etliche Tätowierer und Stecher – Anbieter von Bodypiercings. An vielen Ecken hört man in der Nacht dann die Elektronadeln der Hautkünstler um die Wette schnarren mit den heissen Rhythmen der Lautsprecherboxen von Anbietern neuester Musik-CDs weiter weg. Etliche Stände sind hier recht offen, dabei kann man bei der Arbeit auch zuschauen.

Handtaschen und Accessoires stehen ganz hoch in der Gunst bei den vielen hübschen jungen Ladies hier, viele davon noch in ihren kessen Studentinnenuniformen. Gelegentlich begegnet man hier auch junger Thaiprominenz aus der Film-, Fernseh- und Musikbranche. Dies ist ein echter Szenemarkt, man kommt hier als junger Thai wohl auch her, um gesehen zu werden.

Getränke gibt es vielerorts aus Eisboxen zu zivilen Preisen, von Wasser über Cola bis hin zum Bier wird alles angeboten. Leckere Eisshakes mit Fruchtstückchen für nur 20 Baht sind hier meine erklärtern Favoriten. Das reichhaltige Snackangebot der Garküchen vor Ort beschränkt sich allerdings nur auf einheimische Speisen. Magenempfindliche Zeitgenossen oder Touristen mit besonderen Wünschen werden leider auf diesem Markt hungrig bleiben.

Der Markt selbst dauert bis nach Mitternacht an. Es wird dann eng zwischen den Standzeilen zu fortgeschrittener Stunde und noch hält man eine Fahrspurbreite der Fahrbahn für die immer noch wendebedürftigen Linienbusse frei. Diese quälen sich dann im Schritttempo durch viele Menschen vorwärts. Die meisten der Passanten und Marktbegeher ziehen die Zeilen direkt an der Ufermauer vor, denn hier weht meist ein leichter Wind vom Fluss her und verschafft etwas Abkühlung. Selbst die Expressboot-anlegestelle samt Pier wird von Händlern in Beschlag genommen. Hier verkehren übrigens die preiswerten Linienboote vom Wat Rajisingkorn bis hinauf nach Nonthaburi während des Tages, sie beenden ihren Dienst gegen 18:00 Uhr und pfiffige Bangkokbesucher verbinden einen nachmittäglichen Bootsausflug für ein paar Münzen auf den hier verkehrenden Booten gerne noch mit einem abendlichen Marktbesuch zwischen den Brücken.

  

Das Memorial Bridge Pier ist ziemlich weit stromabwärts gelegen und hier kann man seine nachmittägliche Bootsfahrt prima beenden. Als fehlendes touristisches Bindeglied böte sich hier der Besuch eines lokalen Terrassenrestaurants in unmittelbarer Marktnähe oder aber der Besuch des unweit gelegenen „Tempels der Morgenröte”, auf Thai auch „Wat Arun” genannt, zur gleichfalls wirklich hochfotogenen Sonnenuntergangszeit an.

Das hier befindliche Terrassenrestaurant am Ufer hat eine Aussicht, wie sie sonst nur noch die Vorzeigerestaurants der 5-Sterne-Edelhotels am Chaophraya-Fluss haben. Exakt die gleichen Reiskähne im Zugverbund, Longtail-Speedboote, Expressfähren und Rivercruiser fahren auch hier vorbei. Nur die Preise sind halt wesentlich erschwinglicher. Die Köche haben auch bestimmt keine französisch klingenden Namen, aber die Küche richtet auf Wunsch wirklich gerne für Fremdländer geeignete Gerichte an! Neuerdings hat man endlich auch bebilderte englischsprachige Speisekarten ausliegen.

Zu finden ist das nette Flussrestaurant ganz einfach: Sie folgen der Uferpromenade stromaufwärts bis unter der Phra Pokklao Brücke hindurch, dort mündet ein Seitenkanal in den Fluss. Hier halten Sie sich für einige Schritte nach links und geraten an eine fast venezianisch wirkende Kanalbrücke zum anderen Kanalufer, wo sich dann direkt das besagte Restaurant befindet. Schon von weitem sieht man den grossen weissen Hochhaus-Condoneubau dahinter am Ufer. Zur Rehabilitierung der Venezianer muss ich aber gerechterweise hinzufügen, dass man es in Venedig mit der Erhaltung alter Bausubstanzen sicherlich etwas ernster sieht.

Clever ist es, wenn man seinen Marktbesuch hier in der Nähe der älteren Brücke (der flussabwärts befindlichen) ausklingen lässt. Schon ein paar Meter dahinter findet sich nach rechts (vom Flussufer weg) ein kleiner Park, in dem es von Künstlern nur so wimmelt. Hier sind Portraitzeichner am Werk, die vor den Augen ihrer Modelle in 20 oder 30 Minuten tolle Kohlezeichnungen, Portraits oder auch Zeichnungen von Paaren wirklich trefflich abbilden. Solch ein Kunstwerk kostet nur sehr wenig Geld, und man kann sich vor Ort von der Qualität der einzelnen Anbieter selbst überzeugen. Etliche verschiedene Zeichentechniken werden angeboten.

Wer nun fussmüde ist und ins Hotel retour möchte, der kann das von der quer zur hiesigen Auffahrt der Memoral Bridge verlaufenden Strasse bequem per Taxi oder der gleichen Buslinie (Nr.8) tun.


Wer aber noch die Energie erübrigen kann, vielleicht noch etwas Batteriepower in der Kamera hat, den erwartet ein weiteres Augenschmankerl, nur wenige Schritte weiter nach links. Als „Thalaad Klong Pak”, also „Markt am Gemüsekanal”, taucht hier ein Blumenmeer vor uns auf dem Asphalt auf, dass es dem Erstbesucher und Blumenfreund fast den Atem stocken lässt! An dieser Stelle lag früher der Grossmarkt, der ganz Bangkok versorgte. Übrig geblieben sind heute nur noch die Händler von Rosen, Orchideen, Lotus und Jasmin, die ihre Waren auf den Gehsteigen in Riesenbündeln feilbieten!

Doch keine Angst vor der schieren Menge! Solch ein 50er Gebinde langstieliger, frisch geschnittener Rosen kostet hier nicht viel mehr als einen Baht je Schnittblume. Was man morgen in Pattaya oder in den Touristenzonen Siams von den Blumenkindern für einen „Spottpreis” von nur 20 Baht je Blume ersteht, das wurde hier in Pick-up-Truck-Ladungen gekauft. Sicher verstehen Sie nun, warum die Blumenleute oft so tolle und nagelneue Geländewagen oder Feudalmodelle der Pick-up-Trucks haben. Orchideen sind mannshoch und farbsortiert in Rispen auf dem Gehweg gestapelt. Aufkäufer, die in der Nacht noch die Ware per Luftfracht in ferne Länder verschicken, feilschen selten lange. Ich schäme mich fast, es zu sagen, aber für den Gegenwert einer mittleren Orchideen-geschenkbox aus dem Duty-free-Airportshop, können Sie sich hier locker einen ganzen Taxikofferraum füllen lassen!

Schon oft haben Freunde von mir sich hier einen schönen Auswahlkarton zusammengestellt, wenn sie am Folgetag mit dem Flieger wieder in die Heimat mussten. Die benötigten Transportboxen kennt man hier auch, solch ein Mitbringsel für die lieben Freunde und Verwandten daheim hält im Falle von Orchideen recht langlebig.

Schöne Fotomotive und Thaitypisches zum Sehen hat es auch auf der flussnahen Strassenseite, hier sind die Händler von Tempelzubehör und Utensilien für buddhistische Zeremonien untergebracht. Des Nachts ergänzen sie ihr Kerzen- und Gefässangebot um Blumenketten, Duftgebinde aus Jasmin und Lotosgestecke für die Tempel der Millionenstadt. All diese Sachen werden vor den Devotionalienhandlungen auf der Strasse vor Ihren Augen gebastelt und arrangiert. Flinke Hände kleiner Frauen zaubern hier in Windeseile die tollsten floristischen Arrangements, man hockt auf Decken und werkelt im Schneidersitz zwischen Bergen von Knospen und Blüten diese Waren. Niemand hat etwas dagegen, wenn man ihnen zusieht und auf Anfrage gestatten fast alle auch die Fotografie oder Filmerei der Farbenpracht in dem an und für sich etwas abgewohnten Viertel hier. Auch der Geruchssinn wird hier gefordert, es riecht sehr angenehm in der Nähe frischer Jasminblütenmengen. Irgendwie ist das eine Oase für die Nase in dem Moloch Bangkok.

Tips für die Anreise:

Von den meisten Einheimischen wird dieser Flohmarkt auch als THALAAD SAPHAN PHUT bezeichnet. Die Anreise kann per Expressboot, Taxi, Tuk Tuk oder eben mit dem Bus der Linie 8 erfolgen. Dieser pendelt zwischen dem Victory Monument und der Memorial Bridge. Der Einheitsfahrpreis ist derzeit 8 Baht und 50 Satang. Bei den Expressbooten nehmen Sie bitte eines mit den orangefarbenen Wimpeln auf dem Deck, denn nur diese halten bei der Memorial Bridge. Die Anlegestelle hat die Nummer N6. Eine Taxifahrt von den meisten Bangkoker Hotels dürfte 100 Baht nicht übersteigen. Tuk Tuks sind für bangkokunerfahrene Touristen meist teurer als Taxis. Der Blumenmarkt heisst THALAAD KLONG PAK und schließt erst in den frühen Morgenstunden.