Huay Kha Kaeng

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Thailand-Burma Dschungel Abenteuer

Tuesday, October 5th, 2010

© 2010 Frank P. Schneidewind

Wir tourten mit dem Geländewagen im äußersten Westen Thailands. Für meinen Sohn Franky sollte diese Reise auch seine ersten Erfahrungen im Umgang mit dem Führen eines Fahrzeuges vermitteln. Wir waren im extremen Westen unterwegs, im direkten Grenzbereich zu Burma und suchten den E-Sa Wasserfall. Der Weg zu diesem E-Sa Wasserfall war gut ausgeschildert, allerdings konnten wir kaum glauben, dass hier viele Touristen den Weg hinfinden werden.  

Die ebenfalls mit ausgeschilderte “Herbal Farm of Thailand” war wohl nur der Privatacker eines pfiffigen Bauern hier, Nichts war dort zu sehen oder zu erwerben.

Wasserfälle spielen im Leben eines Buddhisten eine große Rolle  und das Bad in einem Wasserfall verspricht neben dem Reinigungseffekt des Körpers, auch einen solchen der Seele und des Gemütes.  

Die kleine Zufahrtsstraße war nicht viel mehr, als ein Wirtschaftsweg oder Trampelpfad, stellenweise bereits halb zugewuchert.  

Wir kamen an ein Bachbett mit mittelprächtigen Stromschnellen…Wasserfall? Wo war hier denn bitte ein Wasserfall?  

Die kühlen Fluten hier schienen momentan, saisonbedingt reichhaltig zu sein. Regenfälle im Gebirge flossen nach hierher ab. Das Wasser war wirklich kalt und es machte Spaß eine Weile im Bach herumzustaksen. Zahlreiche Fische gab es hier auch und dann sahen wir ihn…ja, nicht weit von uns entfernt lag er… THE BEACH.

….der wohl einzige Beach im Changwat Uthai Thani! Gerade mal ein paar Schubkarren voller Sand, schön hier angespült worden von den Fluten. Supersauber und sehr feinkörnig, ein idealer Beachsand. Länge über Alles vielleicht 3 bis 4 Meter, Breite so um die 2 Meter.  Schade, denn wir hatten keinen Sonnenschirm und Strandliegen mit, den hätten wir sonst locker chilloutmäßig in Beschlag genommen :).

Es wurde langsam an der Zeit, sich um eine Schlafgelegenheit zu kümmern, denn die waren hier  sehr dünn gesät.  Wir fuhren über die Landstraße in südlicher Richtung weiter, bogen dann aber in Höhe Huay Khot scharf nach rechts (Westen) auf eine kleine Straße ab. Hier wollten wir dem Gerücht nachgehen, dass hier die wunderschönen Wurzelmöbel aus Bangkoks Designermöbelshops herkommen.  

Das Gerücht erwies sich in Bezug auf die Möbel als Ente, aber wir bekamen gute Informationen wo wir diese Sachen letztendlich doch finden könnten. Einmal um das Krasieaw-Reservoir herum müssen wir noch und das war wirklich riesig groß.  

Das schnuckelige Resorthotel in der Nähe von Ban Rai mit dem palastartigen Holzbau ist leider “ausgebucht”. Das entlarvte ich schon bei einem Blick zum leeren Parkplatz hin als schlichte Lüge. Hier will man uns offensichtlich gar nicht als Gäste haben, denn das angebliche Resort  schien gar kein Personal ausser ein paar Guards zu haben, typisch Offseason halt.   Na gut, dann eben ab in Richtung Burma, mitten in das für meinen Sohn noch unbekannte Territorium hinein.  

Wir hatten noch ca. 2 Stunden Tageslicht und die wollten wir auch nutzen.  Schon nach wenigen Kilometern hörte die Asphaltstraße aber plötzlich ganz auf. 

Viel Vieh bevölkerte stellenweise die Piste und wir fuhren im Schrittempo weiter. Manchmal stieg Franky aus und nötigte die Hornviecher zum Platzmachen. Sie waren sehr gutmütig und keinesfalls bösartig, sahen aber nicht unbedingt friedlich aus. Die glühenden Augen der Viecher erklärten sich aus dem Blitz der Digicam. Wir mussten schon den Blitz verwenden, denn die Lichtverhältnisse waren recht dürftig.  Es bewölkte sich zusehends.

Hier gab es viele Siedlungen der Kareans, wie man an den behelfsmäßigen Schilfbehausungen sehen konnte. Wir begegnen mehreren Viehhirten, die ihr Vieh abendlich wieder in die Nähe ihrer Hütten treiben. Man beachte die 50cm Machete in der Hand des Karean-Girls! Ihre Brüder von der KNU Rebellenarmee werden allerdings noch besser bewaffnet sein, doch wir waren keine Zielgruppe der Rebellen. 

Immer weiter in den Dschungel drangen wir vor und manchmal lag ein Bambusstamm quer über den Trail, Franky machte sich hier oft sehr nützlich und räumte den Weg frei. Den auch mitgenommenen US-Army-Klappspaten mit dem einseitigen Hackebeilschliff und integrierter Säge, den brauchten wir jedoch nicht einzusetzen.

 

Wir kommen an die militärische Sperrzone und werden gecheckt. Hier war ein Ausbildungslager der Spezialeinheiten der Thai-Streitkräfte. Imaht Isai nannte man das Lager und hier war für die meisten Touristen der Weg in Richtung Westen zu Ende. Wir kamen in das KNU (Karen National Union) Kernland, hier spielte die 4. Folge der Rambo Serie (John Rambo), jedoch ohne dass sich Filmemacher oder gar Sylvester Stallone jemals hier hergetraut hätten. Der Konflikt hier ist der älteste, noch andauernde Bürgerkrieg der Welt, er began bereits in 1949!

GPS Waypoint Imaht Isai Camp  (last considered safe zone, before KNU territory west of this point)
15 07,217 N
99 23,007 E
400 M.ü.N.N. 

Für uns ging es aber noch einige Kilometer weiter. Das sich nun ein Problem mit dem Sprit abzeichnete, dass war von mir so beabsichtigt. Mein Sohn wusste das aber nicht und ständig schielte er auf die blinkende “EMPTY”-Anzeige des Armaturenbretts. Ihm war ja auch nicht, bewusst, dass der Ölkanister im Gepäck kein Öl, sondern eine Reserveration Kraftstoff enthielt.  

Wir checkten noch bei dem westlichen Posten der Militärboys aus dem Sperrgebiet aus.  Doch bei der Auffahrt zur Moobaan (Gemeinde) Isai, einem der höchsten Geländepunkte auf dieser Strecke, da stotterte der Motor und wir mussten anhalten.  Der Gag kam supergut an, als ich Franky erzählte – er müsse nun entweder zu den Militärs zurücklaufen oder aber zur nächsten Moobaan (Ansiedlung) und etwas Sprit organisieren. 🙄  Er schnürte schon seine Stiefel und murmelte sich sehr leise ein paar nicht so ganz druckreife Sachen in den noch gar nicht vorhandenen Bart.

Das alles läuft natürlich unter der Rubrik: “Erzieherische Maßnahmen für Nachwuchabenteurer”. Als halbwüchsiger Mann war er mit dem Fahren im Gelände hervorragend klargekommen, seine erste Praxis im Autofahren übrigens.

Mit seinen noch recht bescheidenen Kommunikationsmöglichkeiten in der thailändischen Sprache hätte er es sicherlich nicht leicht gehabt, uns den Sprit zu besorgen.  Von dem 5 Kilometer Fußmarsch einmal ganz abgesehen.    

Aber das war ja nur ein Gag, wir haben ja seit dem Start unserer Tour einen behelfsmäßigen Reservekanister voller Diesel im Wagen mitgeführt. Ein normaler Ölkanister ohne Ausgießer. Ich stelle Franky nun vor die Aufgabe, den Sprit in den Tank des Fahrzeugs zu bekommen – und er überlegt einen Moment..und macht mich dann sehr stolz!  

Mit dem Leatherman-Tool, welches er von mir zu seinem 15. Geburtstag bekam, schnitzte er aus einer im Wagen mitgeführten Trinkwasserflasche eine trichterähnliche Schütte für den Sprit. Das passte gut und mit der kleinen Maglite funzelten wir uns im Dunkel zurecht. Nicht blöde, hatte Franky vor dieser Aktion noch die Wassertropfen aus der Schütte entfernt. Man wusste ja nie, wie empfindlich dieser Motor gegen Feuchtigkeit von Innen ist. Normalerweise kann ein großer Motor das schon ab, aber sicher ist sicher!  

Im Foto oben erkennt man, daß dank Franky’s Wasserflasche wirklich nur sehr wenig von dem kostbaren Naß danebenlief. Hier war weiteres Vordringen in der Dunkelheit dann nicht mehr empfehlenswert. Schwerbewaffnete Rebellen schützen ihre Ansiedlungen mit erstaunlich viel Feuerkraft vor Übergriffen durch Streitkräfte oder Schergen der Militärjunta. Diese nähern sich zwar nie vom Osten kommend, aber ich hielt unser dunkles Gefährt für ungeeignet, weiter westwärts vorzudringen. Laut GPS waren wir bereits fast außerhalb Thailands und der Musso konnte in der Dunkelheit mit einem Militärfahrzeug der arg verhassten Erzfeinde verwechselt werden. Diesen eigentlich friedlichen Menschen gehörte  meine volle Sympathie und ich kannte deren Sicherheitsbedürfnis aus früheren Trips hierher sehr gut.

Es ging dann aber wieder südöstlich und die Weiterfahrt über Ban Rai nach Dan Chang im  Changwat Suphanburi verlief ohne besondere Vorkommnisse. 7 km östlich von Ban Rai trafen wir auf die Hauptstraße Nummer 333 und folgten dieser bis hinein nach Dan Chang.  Die Zivilisation hatte uns wieder, auch konnten wir den Musso wieder volltanken.

In Dan Chang angekommen, waren wir erstmal mordsmäßig hungrig und verschlangen an einem Straßenstand jeder eine ordentliche warme Mahlzeit. Das Hotel unserer Wahl lag nun nur noch einen Kilometer von der großen Straßenkreuzung im Ort entfernt in Richtung Osten.

Wir sanken dort ziemlich erschöpft in die Federn und schliefen uns einmal so richtig aus. 

Der folgende Morgen bescherte uns wieder verhangenes Wetter, na sei es drum – wir haben guten Mut und vor allem wieder frischen Tatendrang!  Unser erstes Etappenziel nach dem Frühstück ist der Khaisieauw-Stausee.  

Hier, im extremen Nordzipfel der Provinz Suphanburi gibt es sonst nicht viel. Das Reservoir regelte die Bewässerung der Farmen dieses Regierungsbezirkes und stellte auch die Versorgung der Bevölkerung mit gutem Trinkwasser, sogar in langen Dürreperioden sicher.  

Wir parkten unser Fahrzeug am Fuße des Damms, und liefen einen Wanderweg hinauf auf die Dammkrone. Leider überraschte uns hier oben ein fieser Wind mit Nieselregen und wir verweilten hier nur sehr kurz. 

Blick über die Dammkrone:  

Wir fuhren weiter und kommen wieder in den Nationalparkbereich. Hier, auf der westlichen Seite des Stausees gibt es zahlreiche Holzschnitzer und Wurzelmöbelhändler.  Wir schauen uns bei einem dieser freundlichen Zeitgenossen etwas näher um und Franky wird beim Erinnerungsfoto lange und ausgiebig vom zufällig auch anwesenden Bürgermeister  der Gemeinde die Hand geschüttelt:  

Von hier geht es dann über eine nicht auf den Karten verzeichneten Dschungeltrasse weiter direkt westlich. Wir überquerteen auch gleich mehrere Höhenzüge und kamen an unzähligen Bachdurchquerungen vorbei. Teilweise war die Strecke so schlecht befahrbar, dass einer von uns immer vorneweg lief, um das Terrain und vor allem den Untergrund zu sondieren.


Die Strecke war mit unserem Allradfahrzeug wirklich soeben noch zu bewältigen, teilweise waren die Steigungen so stark, dass man über der Motorhaube nur noch den grauen Himmel oder das Dschungeldach sah – ist schon ein komisches Gefühl für den Fahrer. Franky macht das am 2. Tag seiner Autofahrpraxis schon wie ein Profi. Der Junge zeigte echtes Talent und lernte eine Menge für seine eigene Zukunft, schade bloß – dass wir nicht viel mehr Zeit gemeinsam haben. Sein Abitur stand ihm bevor und eine schulische Ausbildung hat eben Priorität.

Das GPS zeigt uns bis 750 m ü.NN an. Die Piste ist manchmal sehr breit und ausgewaschen, manchmal sehr schmal und holprig. Der Musso zeigte, was er kann und liess uns nicht im Stich. Allradantrieb ist hier nach Regenfällen absolut unabdingbar.  

An einer Senke sahen wir viele zerknickte Bambuspflanzen. Die riesigen Fußabdrücke im weichen Untergrund neben der Fahrbahn im Morast, verrieten uns gleich, wer hier am Werk war. Eine Wildelefantenherde schien hier zu residiert oder getobt zu haben. Nein, nicht die lieben und gutmütigen Gesellen, die ihr aus den Touristenparks und Zoos kennt. Diese hier sind echte, wilde Jumbos und der größte unter denen hat die jungen Triebe der umliegenden Bäume bis in satte 5 Meter Höhe kahlgefressen!   

Kein guter Platz für eine längere Rast beschlossen wir und so fuhren wir dann auch weiter.   Immer wieder Elefantendung auf der Strecke und der Bewuchs links und rechts bildete auch oft über uns ein dichtes Dach. Auf dem letzten Anhöhe dieser Route bot sich uns ein schönes Panorama dar. Unter uns sahen wir einen See und dessen Inseln, sowie auch mächtig dicke Regenwolken. 

Wir fuhren weiter direkt westwärts und kamen an einem weiteren Aussichtspunkt an.

Irgendwie wurde die Straße besser, aber sie führte nun oftmals dicht am steilen Abhang vorbei. Langsam und vorsichtig tasteten wir uns an den zahlreichen Stellen vorbei, wo Regenfälle die gesamte Straßenkonstruktion teilweise weggewaschen hatten.  

Diese Stelle hier sah gar nicht so schlimm aus, aber man erkennt den Sachverhalt ganz gut. An vielen Stellen sind wir gar nicht erst ausgestiegen, weil die verbliebene Fahrbahnbreite nicht zum Türöffnen und Aussteigen ausgereicht hätte.

Im Gegensatz zu den Washouts (Auswaschungen) gab es auch noch Mudslides (Erdrutsche) und Felsknicker in Fußballgröße, oftmals quer über der Fahrbahn verteilt.  

Wir kamen teilweise nur sehr langsam voran. Die tiefe Wildnis verliessen wir dann bei Si Sawat an dem See, den wir des Öfteren von den Aussichtspunkten erspäht hatten. Müde wurden wir auch langsam, aber es war ja nicht mehr sehr weit bis zu einem Bett und einer Dusche in Kanchanaburi!

Besuch im Huay Kha Khaeng Nationalpark

Monday, September 27th, 2010

© 2010 Frank P. Schneidewind 

Prolog:

Die Vorbereitungen für unseren Trip in den im westlichen Teil Thailands gelegenen Huay Kha Khaeng Nationalpark, waren weit mehr, als nur das Besorgen einer brauchbaren Landkarte.  Vorwiegend in der Provinz Uthai Thani gelegen, ist der Huay Kha Khaeng der größte und aussagefähigste aller Nationalparks in Thailand. Er ist dabei auch der am wenigsten vom Tourismus frequentierte. Die nördlichste Ecke des Changwat Kanchanaburi und die südlichste Spitze des Changwat Tak gehören ebenfalls zum Huay Kha Khaeng. 600.000 Hektar Größe sind, auch international gesehen, ein großer Park.

Dieser Park wurde sogar von der UN als “World Heritage Park” bezeichnet und mit dem entsprechenden Budget versehen.  Im Huay Kha Khaeng findet man neben Ameisenbären auch Wölfe, Kwai Pa Hirsche, Tiger, Elefanten, Wildschweine und jede Menge anderer Wildtiere, die in vielen anderen Provinzen bereits für immer vom Erdboden verschwunden sind.

Der Trip:

Wir waren mit einem halbwegs ordentlichen Allradfahrzeug ausgerüstet und nehmen neben Trinkwasser auch Klappspaten, Decken, ein Moskitonetz und andere Utensilien mit, welche bei Fahrten in die meisten Parks von Thailand achtlos zu Hause bleiben dürfen. Die Anfahrt nach Uthai Thani war völlig reibungslos. Von Pathum Thani aus fuhren wir über die Phahonyothin-Fernstraße und dann über den Asia Highway via Ayutthaya, Singburi und Chainat bis nach Uthai Thani.

In Uthai Thani angekommen, checkten wir erst einmal in das Huay Kha Khaeng-Hotel ein, das einzige nennenswerte Hotel in der Provinz. Das gehörte, so sei nebenbei bemerkt, natürlich einem der Lokalpolitiker und wohl auch besonderem Freund der ehemaligen Regierung. Genauso wie übrigens auch der Karaoke-, Disco- & Massagepalast nebenan. 750 Baht für ein ordentliches Doppelzimmer sind auch nicht zuviel hier.  Wir trafen Khun Wichai Pareemat in der Lobby, wie verabredet und unterhalten uns über mögliche Routen in den Park. Khun Wichai war bereits in 1991 dabei, als das Areal von Thailand und der UNO zum heutigen Nationalpark deklariert wurde. Er arbeitet heute mit Sompoad Srikosamapara von der Mahidol Universität (Center of Biological Studies) zusammen, um den Wildbestand und die Artenvielfalt zu schützen. Während unseres Gespräches zeichnen sich unsere dringlichsten Probleme deutlich ab. Es gibt gar kein zusammenhängendes Wegesystem im Park!

Naja, daß dieser Trip kein Zuckerlecken wird, das ist uns schon klar – aber gar keine Wege  ….schwierig. Wir zeigen ihm unsere topographische Karte des Geländes und er geriet dabei ins Schwärmen. Woher wir denn eine solche gute und qualitativ spitzenmäßige Landkarte herbekamen, das interessierte ihn sehr. Ich versprach ihm, die Karte nach unserem Trip zuzusenden und er ergänzte sie noch mit dem Bleistift um einige, ihm bekannte Wege und Gebäude.

Unsere Karte wies Holzgebäude unter 40 qm Dachfläche nicht mit aus, denn sie hat einen militärischen Ursprung und unbefestigte Gebäude unter dieser Größe haben für militärische Zwecke keine  besondere Bewandtnis. Wir verabschiedeten uns von unserem freundlichen Helfer und planten den kommenden Tag. Wir gingen relativ früh schlafen, denn das ortsübliche Entertainment mit seinen sexy Karaokegirls ist nicht so unser Ding. Nur mein Sohn Franky schaut dem bunten Treiben vor dem Karaoke– und Snookerpalast noch eine kleine Weile vom Fenster aus zu. Er weilt gerade zu Besuch in diesem Sommer und erweitert seinen Travelhorizont mächtig.

Wir probierten zuerst eine Anfahrt vom Südosten aus und kamen nach einiger Zeit sogar an den Thabsala-Staudamm heran. Mit Hilfe des GPS und unserem erstklassigen Kartenmaterial war das fast ein Kinderspiel. Ich ließ Franky die gesamte Orientierungsarbeit übernehmen, kontrollierte es aber und war sehr mit dem Ergebnis zufrieden. Leider war die Asphaltstraße über die Dammkrone noch nicht für den Verkehr freigegeben, wie uns eine abgeschlossene Schranke ganz unmißverständlich zu verstehen gab.


GPS: waypoint thabsala-dam barrier southern end
15 31,316 N
99 26,759 E

Also, Kehrtwendung und endlose Franserei mit irrem Umweg über recht seltsam anmutende Wege, bis wir auf der anderen Seite des Dammes ankamen.  Ohne GPS wäre es schier unmöglich gewesen, dorthin zu finden.

Dann ging es weiter durch schmale Wirtschaftswege, über Forststraßen und Seitenwege bis hin zum eigentlichen Nationalpark.  Laßt euch übrigens nicht von dem Sternchen am Bug täuschen, das Auto kam einmal aus Korea.

Hier stellen wir nun zu fortgeschrittener Stunde fest, daß ein Parkbesuch bei den möglichen Schrittgeschwindigkeiten für den heutigen Tag ein sinnloses Unterfangen darstellt. Wir treten also den Rückzug an, und fahren durch bis nach Nakhon Sawan, denn ein gescheites Hotel ist auf der ganzen Strecke nicht aufzufinden gewesen. In Nakhon Sawan kehren wir in das Pimarn Hotel ein. Für ein nettes Doppelzimmer 800 Baht, das erscheint angemessen und ist völlig o.k.

Ein spätes Abendessen an einer “Moo Yaang Gaolie-Station” bescherte uns einen unverhofften Kontakt. Noch mit seiner schmucken Parkrangeruniform bekleidet, saß hier ein gewisser Mr. Boonthong. Er sah fast so aus, wie ein amerikanischer Drillsargeant mit seinem breitkrempigen Rangerhut.

Ich sprach ihn an und er freute sich über unser Interesse an seinem Park. Wir luden ihn zu einem Drink ein und erfahren sehr viel über die Historie und die besonderen Ereignisse im Park.  

Erst spät kommen wir ins Bett und freuten uns schon jetzt auf die Fahrt zum Huay Kha Khaeng, gleich morgen früh soll es auf die Piste gehen. Der Wakeup-Call war gebucht für 6:00 Uhr – damit wir viel vom Tageslicht haben sollten.

Das Hotel-Breakfast war ausreichend, aber wir versorgten uns auf dem Markt, an dem wir kurz nach dem Aufbruch vorbeikommen, noch schnell mit Obst und etwas Gebäck sowie Trinkwasser.  Die Sonne versteckte sich hinter einer dicken Wolkendecke und die Hitze heute wird somit an diesem Tag wieder erträglich sein. Fast 60 Kilometer sind es bis zum Park. Die Strecke dorthin führte heute über Lat Yao.

Wir fanden auch glücklicherweise die einzige richtige Zufahrtsstraße auf Anhieb. Ein schmuckes Riesenholzschild wies uns den Weg:


Asphaltfahrbahndecken suchte man hier vergeblich, aber unser benzgepowerter Musso schluckte die Unebenheiten der Piste locker und wir rollten gemütlich gen Westen.

Der Kontrollposten verlangte unseren Obulus für den Parkeintritt (RIPOFF Eintritt für Langnasen-Ausländer 200 Baht, 30 Baht zahlen Asiaten, die 30 Baht für’s Fahrzeug sind einheitlich gleich).

Hier erreichte uns Ranger Boonthong dann auch per Walkie-Talkie. Er wartete schon in der Rangerstation auf uns. 

Wir werden dann im HQ der Parkranger herumgeführt und wundern uns etwas über die Bewaffnung der Jungs hier. Moderne, amerikanische Sturmgewehre (M16) und Munitionsboxen der US-Army, deren Aufschrift mir verrät, dass es sich um Leuchtspurmunition handelte. Die Nähe der burmesischen Grenze und die Bewaffnung der Wilderer im Park haben zu einer Aufrüstung hier geführt. Drogenkuriere in diesen Regionen sind auch bis unter die Zähne bewaffnet. Das amerikanische DEA hat hier gelegentlich “Einsätze” in konzertierter Aktion mit thailändischen Eliteeinheiten der Streitkräfte. Momentan sollte aber Ruhe herrschen, so teilten uns die Ranger mit.

Vom Parkplatz bis zu den Exponaten musste ein wenig gewandert werden, aber die Ausstellungsstücke sind schön anschaulich präsentiert und recht ungewöhnlich. Hier ein Elefantenschädel:

Der selige Absolvent der Kasetsart-Universität, ein gewisser Herr Sueb, hat sein Geld, seine Karriere als Parkmanager und letztendlich auch sein eigenes Leben geopfert, um den Huay Kha Khaeng in seiner heutigen Form zu pflegen und zu erhalten. Viele Exponate huldigten hier seinem Lebenswerk.


Von einem kleinen Hügel in unmittelbarer Nähe, genossen wir das sich bietende Panorama und ärgerten uns ein wenig über die Regenwolken und den durchgehend grauen Himmel. Die burmesischen Berge im Hintergrund lagen nur als Schatten gestaffelt voreinander, ganz wie in einem chinesischen Schattenspielerstück. Leider ist die Qualität unserer damaligen Digicam nicht auf hohem Niveau gewesen:

Das hier ist alles 100% NATUR PUR, und wir nahmen uns feste vor, her noch einmal bei besseren Witterungsbedingungen herzukommen. Wir schauten uns die ganzen Artefakte und Exponate rund um den geistigen Vater des Nationalparkes an und wunderten uns schon ein kleines bischen, warum hier ein solcher Personenkult betrieben wird. 

Der gute Mann brachte sich hier auch vor Ort ums Leben.

Die UNESCO zeichnete den Park mit dem Titel “World Heritage Site” aus. Nur wenige Parks in dieser Welt tragen dieses Prädikat.

 


Dichter Regen drohte am Horizont und die dunklen Wolken kamen nun direkt in unsere Richtung gedriftet.

Wir haben noch einen Weg zu einem Panoramapunkt auf die Karte gezeichnet bekommen und dort wollten wir nun hin. Der Weg folgte einem kleinen Bach und schlängelte sich durch den Dschungel. Das GPS zeigte mittlerweile 785 Höhenmeter an und es ging weiter bergauf. 

Die wilden Bananen am Wegesrand, denen hier ihre Aufmerksamkeit galt, schmeckten übrigens wirklich hervorragend! 

Solch ein Fruchtzwerg hat mehr Geschmack in sich, als ein Marktstand voller gentechnisch optimierter Riesenbananen in Europa. Ein Foto musste auch noch sein, so sahen die Dinger am Baum aus: 

Überall waren hier auch Schilder zu sehen, welche den Besucher auf die seltenen und geschützten Tierarten vor Ort hinwiesen. Leider war die dürftige Beschilderung ausschließlich in Thai!  Wir liefen noch viel in der Gegend herum, bekommen aber weder Ameisenbären noch Tiger, Wildschweine oder gar wilde Elefanten zu Gesicht. Wir sahen in der Ferne ein paar Hirsche – aber die waren so scheu, dass sie das Weite suchten, als wir noch 300 m entfernt waren.

(Bitte bei diesen Bildern die miserable Qualität nachsehen, die Fotos sind  bei schlechtem Licht aus der Hand geschossen, Danke)  

Es wurde dämmerig, die Regenwolken wurden immer dichter und wir sehnten uns auch nach einem ordentlichen Essen. Die nächste Ortschaft auf den Karten lag 40 km im Südosten und wir machten uns auf den Weg dorthin. 

Im Ort erwartete uns ein sonderbar karger Markt. Hier verkauft man nur ungewöhnliche Speisen. Wir versuchten uns an einem angekeimten Kokosnußteil und das schmeckt Franky und mir in etwa so, wie Styropor oder altes Schaumgummi.

Yack!

Franky nagt noch ein wenig an dem harten Außenfruchtfleisch der Nuß herum, welches normalerweise in Thailand  höchstens als Viehfutter oder Backwarenbeimengung verwendet wird!  

Bei der Ausfahrt aus dem Ort befand sich auch eine Tankstelle und wir checkten hier das Öllevel im Motor und das  gesamte Fahrzeug ausgiebig.  Eine ganze Pickuptruckladung voller Erntehelfer schaut uns bei unserem Tun zu.

Nutzlast-Ladungen von Kraftfahrzeugen schienen hier überhaupt immer ausgenutzt zu werden. Selbst die Schulbusse hier in Uthai Thani hatten nicht mehr allzuviele freie Plätze im Angebot:

Weiter ging unsere Fahrt, wieder über die Landstraße Nummer 3282 – doch diesmal in Richtung Ban Rai. 

Die kurvenreiche Strecke schlängelte sich durch die Hügel zu Füßen des Gebirges, in welchem der größte Teil des Nationalparkes liegt. 

Vorbei ging es an kleinen Seen mit malerischen Örtchen und zahlreichen Verkaufskiosken am Straßenrand. Ananas werden hier angebaut und verkauft.  Hier sahen wir auch einen großen, goldenen Buddha, der scheinbar einfach so in Seeufernähe herumzustehen schien.  

Den schauten wir uns einmal näher an, ein kleiner Seitenweg führte in die Nähe des riesigen Buddhas und hier machten wir erst einmal eine kleine Rast. 

Früher war das übrigens hier links der Frank und rechts der kleine Frank!

Heute ist das rechts der Frank und links der alte Frank!   

Nicht weit weg ist ein Wasserbecken und hier machten wir erstmal eine grausige Entdeckung. Froschleichen trieben starr im Becken umher und ein eigentümlicher, seltsamer Gestank belastete die Nase sehr.

Wir entdecken ein Schild, auf dem steht, das dies hier eine heiße Quelle sei. Franky checkt die Temperatur des Beckenwassers und zieht erschrocken die Hand zurück! 

Über 70 Grad hatte das Wasser bestimmt und der Gestank in der Luft werden schwefelige Dämpfe gewesen sein. Hier hatte Mutter Natur eine Kochgelegenheit ohne Strom, ohne Feuer und ohne Gas geschaffen .  Die Froschleichen im Wasser erklärten sich unter anderem auch aus der Tatsache, dass das Becken in einer Mulde liegt und die blöden Frösche intuitiv immer nach unten wollten (zum Wasser hin). Doch einmal hier drin hatten sie automatisch ausgesorgt, denn die Betonbrüstung ist zu hoch, um wieder an Land zu kommen. 

Von einer Brücke aus fotografieren wir ein kleines Dorf am Seeufer.

Von der anderen Seite der Brücke sieht man unberührte Natur, in der Ferne kann man das Gebirge im Grenzbereich zu Burma erkennen und die Regenfront, welche uns nachhaltig davon abhielt Sonnenschutzcreme aufzutragen. Den Bereich werden wir auch näher erkunden, doch das wird dann in einem Folgebericht dokumentiert.