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Der Tigertempel in Kanchanaburi, Thailand

Saturday, December 25th, 2010

© Frank P. Schneidewind

DEATCH V3_1

 

 

Wir waren recht früh am Morgen mit dem Motorrad in Pathum Thani gestartet, um möglichst viel Zeit vor Ort verbringen zu können. Bequemere Bustouren mit Minibussen wären uns zu teuer gewesen und vor allen ist den Herdentouristen dieser Bustouren immer nur eine sehr begrenzte Zeit je angefahrener Destination gewährt. So fuhren wir gemächlich unserem Ziele entgegen. Der Tigertempel stand auf unserem Programm. Bis Kanchanaburi brauchten wir um die 2 Stunden für die knapp 200 Straßenkilometer. Der Tigertempel war von der Stadt aus noch einmal rund 30 KM weiter westlich in Richtung Thong Pha Phum oder Sangkhlaburi auf der Route 323. Mit der Sonne immer im Rücken, freuten wir uns auf das Ziel.

Wildkatzen in freier Natur, dass sollte meiner Lebensgefährtin Melona auf einem ihrer ersten Trips als meine Fotografin genug Fotomotive und auch einen gewissen Erlebnisreichtum bringen. Ich hatte noch viele, weitere Trips geplant und würde über eine Verstärkung meines Ein-Mann-Journalistenteams künftig sicherlich nicht traurig sein, doch ist ihre Entscheidung zu dem Zeitpunkt noch nicht gefallen gewesen;).

 

Tiger und andere Wildtiere einzusperren, ist sicherlich weder artgerecht noch förderlich für die Fauna einer Region. Obwohl Tiger in Thailand eher zu Hause sind, als beispielsweise in den Zoos von Berlin, Stockholm oder Toronto. Ich habe schon immer ein Faible für wilde Tiere gehabt und schon stundenlang Wölfe im Yukon oder Bären in Alaska beobachten dürfen. Das Szenario hier ist ein Buddhistisches Kloster mit integriertem Wildgehege. Wir kamen als angekündigte Journalisten und die Klosterverwaltung hatte uns eine detaillierte Führung zugesagt, bei der wir frei entscheiden konnten, was wir uns ansehen wollten. Auf der Fahrt dorthin gingen mir die vielen, unterschiedlichen Publikationen nicht aus dem Kopf, welche bereits aus so vielen Perspektiven über dieses Kloster berichteten. Am Kilometerstein 21 auf der Landstraße 323 ging es dann ab von den befestigten Wegen und auf eine Schotterpiste in nördlicher Richtung.

Am Straßenrand wies eine Ansammlung von Schildern auf unser Zielgebiet hin. Hier war der legendäre Tiger Temple oder Tigertempel, das Tigerprojekt des Abtes Luang Phor Mabthabua Sampanno irgendwo zu Hause. Melona war ein kleines bischen nervös und auch gespannt auf das, was uns nun erwarten sollte.

Die staubige Schotterpiste zug sich fast bis zu den Bergen am Horizont hin, wir zogen eine lange Staubfahne hinter uns her. In gleißender Sonne wirkten die schattenspendenden Wolken am Firmament nicht bedrohlich, sondern eher gnädig. Aus dem nahen Burma kommend, sind das Vorboten der anstehenden Regenzeit, doch wir sollten an diesem Tag Glück behalten.

Ein Behelfsparkplatz am Rande der eingemauerten Anlage, bot uns eine Parkmöglichkeit. Von hier ging es zu Fuß weiter. Sehr zahm wirkende Rehe und prächtige, asiatische Hirsche in diesem Bereich, freuten sich über die unerwartete Verpflegung aus Melona's Reiseproviant.

Bananen fressendes Damwild? Na vielleicht ist das ja deren Leckerbissen in den Dschungeln, ich bin da nicht so bewandert. Melona wurde jede einzelne Frucht schnell los.

Der Vorstellung an der Pforte folgte ein allgemeines Briefing, wir wurden getagged und waren uns erst einmal selbst überlassen. Das zugesagte Interview war erst für 16:00 Uhr angesetzt, da verblieb uns noch viel Zeit.


In dem weitläufigen Gelände waren sehr viele wilde Tiere untergebracht. Teilweise in stallähnlichen Behausungen, aber auch in Käfigen. Wir sahen uns erst einmal gründlich um. Tiger sahen wir bisher keine, doch ein Warnhinweis rief die Besucher zur Vorsicht auf:

Die Anlage umfaßte eine Art Steinbruch, hier Canyon genannt. Aus den Schilderungen anderer Besucher vor uns wusste ich, dass dort die Freilaufzone der Tiger war. Hierhin eilten die Touristen, welche mit Tourbussen oder Mietwagen herkamen. Es scheint nicht möglich zu sein, diesen Ort mit öffentlichen Verkehrsmitteln von Kanchanaburi aus zu erreichen.

Im Gegensatz zu den Tourbesuchern, hatten wir sehr viel Zeit. Den Tourveranstaltern dient diese Anlaufstelle als Hauptverkaufsargument, doch in der Regel ist der Aufenthalt hier auf unter 60 Minuten begrenzt. Viel zu wenig Zeit, selbst für einen Kurzbesuch.

Wenn Sie beabsichtigen, hier mit einer Tour herzukommen, empfiehlt sich eine Mindestaufenthaltsdauer von wenigstens 2 1/2 Stunden.

Pfiffige Backpacker mit kleinem Budget, mieten sich in Kanchanaburi von ihrem Guesthouse ein Moped (Kosten i.d.R. unter 6 €/Tag), in rund einer guten halben Stunde kann man es schaffen, bis hierher zu kommen. Die Wegstrecke ist einfach und wenig befahren. Die Öffnung des "Canyons" zeigte sich uns, aber es ging erst noch um ein paar Kurven. Ein Bach fließt hier übrigens nicht, der wäre eigentlich Bestandteil eines Canyons in der Form, wie ich sie bisher in Nordamerika und Afrika erleben durfte.

Eine mickrige Pfütze am Ende des sackgassenartigen Canyons, beherbergte dann auch die ersten, frei herumlaufende Großkatzen. Andere Tiger in dem Bereich davor, wurden von Hilfskräften an Halsketten festgehalten und posierten mit Besuchern für ein Entgeld. Zahlbar an die Hilfskräfte oder an die Ordensbrüder in ihren orangefarbigen Gewändern. Alles wirkte unnatürlich friedlich.


Junge, halbwüchsige Tiger und ausgewachsene Exemplare waren zu bestaunen. Die Größten unter diesen würden wohl die 200 kg Marke locker auf einer Waage überschreiten.

Manche Tiger waren zwar wach, lagen aber faul herum. Melona näherte sich vorsichtig und bedächtig einer rund 100 kg schweren Tigerin und streichelte diese mit ruhigen Bewegungen.

 

Eine weitere Raubkatze beobachtete das ganz genau von einem Felsvorsprung an der Wand des Canyons.



Während das offensichtliche Alphatier zunächst scheinbar reglos vor sich hindöste. Dieser männliche Tiger wog sicher mehr, als gesund für mich wäre. Zumindest für den Fall, dass ich seinem Beuteschema entspräche.;).



Ein knackendes Geräusch auf dem losen Untergrund, verursacht von einem hinter uns stehenden Filmer, sorgte  für ein blitzartiges Umschalten vom Dös- auf den Lauschmodus des schönen Tiers. Melonas Fotografietalente starteten für mich an diesem Tag auf einem atemberaubend tollen Level!

Ich erfüllte mir erneut meinen Kindheitstraum und spielte zunächst mit den halbwüchsigen Katzen.

Die waren recht aktiv und ständig in Bewegung, bloß keine hastigen Bewegungen meinerseits machen. Einen Maulkorb hatte hier nämlich kein Tier!


Bei den halbwüchsigen Tigern hatte ich mich bewährt und durfte mich nun an die ausgewachsenen Miezekatzen wagen. Kein geringerer als der Abt persönlich, coachte mich allerdings dabei. Er war zwischenzeitlich hergekommen. Die Bandana ist übrigens kein Fashion Statement von mir, aber sie verhindert sehr wirkungsvoll beißende, eigene Schweißtropfen in den Augen. Das zahlt sich in den Tropen aus und ist Bikern nichts Fremdes.

Dem Coaching und Posing folgte eine längere Unterhaltung mit dem freundlichen Herrn. Er bestätigte mir auf meine direkte Anfrage auch explizit, dass kein Tier "Sedatives"oder andere Drogen in das Futter gemischt bekommt. Sedatives ist der englischsprachige Begriff für ruhigstellende, beruhigende oder auch einschläfernde Medikamente.

Ich bin mir der Tatsache bewußt, dass dieser Tempel und der Betrieb hier vielen Leuten ein Dorn im Auge ist. Ich habe selbst herumgeschaut und konnte aber überhaupt keine Anzeichen von verwerflichem Umgang mit wilden Tieren feststellen, wenn man einmal von deren nächtlicher Unterbringung in Käfigen absieht. Käfige dienen hier dem Schutz der Besucher, Mitarbeiter und auch der Großkatzen untereinander. Das ist auch in jedem Zoo so.

In Nordostlaos und im Huay Kha Khaeng Nationalpark, ganz hier in der Nähe, aber weiter nördlich, habe ich schon viele Stunden auf der Lauer verbracht, doch mehr als einen Fußabdruck im Dickicht nicht wirklich gesehen. Der Kontakt hier war schon viel realer, doch ich liebe diese Tiere und sehe die am Allerliebsten in freier Wildbahn.

Friedlich geht es hier laut den Schilderungen des Abtes zu, weil die Tiere regelmäßig und ausreichend gefüttert werden. Der Kommerz, welcher hier mit den Touristen betrieben wird, der erwirtschaftet neben der Verpflegung und Versorgung der Tiere auch deren veterinärärztliche Betreuung und bessere Unterkünfte für den Tierbestand. Mein Eindruck war nicht getrübt von Erkenntnissen, welche in irgend einer Form einen Anlaß zur Besorgnis geben könnten. Mittlerweile ist der Tigerbereich von dem buddhistischen Tempel getrennt und wird gesondert gemanaged. Freiwillige Tierpfleger, auch aus dem Ausland, können hier nun ein Praktikum machen. Hoffentlich tragen die Bemühungen hier zum Fortbestand der Tiger bei, es sind wahnsinnig schöne Tiere!

Ende des Berichtes.


Anmerkung: Wen das hier stört, dass wilde Tiere nicht in freier Wildbahn leben, der denke bitte an die zahllosen Zirkustiere. Hier müssen wilde Tiere nicht erst durch brennende Feuerreifen springen, um etwas zu futtern zu bekommen!

Solche Institutionen, wie diese hier, haben auch eine Existenzberechtigung, denn:

1.) Erlauben sie eine veterinärmedizinische Aus- und Fortbildung am Tier.

2.) Ermöglichen sie Studien zur Arterhaltung und Forschungsarbeiten zum Schutz der Artenvielfalt.

3.) Sensibilisieren Ausstellungen, wie diese, die Besucher für diese bedrohte Tierart.

4.) Erfüllen sie Wunschträume von Kindern und Erwachsenen.

Mittlerweile ist der Tigerbereich als Zoo geführt und nicht mehr Bestandteil des Tempels, wohl aber unter dessen Verwaltung. Gerne stelle ich mich eventuellen Diskussionen (beispielsweise auf unserer Facebook Seite), behalte mir aber vor, unsachliche, unhaltbare oder unsinnige Kommentare nicht zu beachten oder diese auch zu löschen. Es hat etliche Lehnstuhljournalisten gegeben, die niemals hier waren, aber Zeter und Mordio schrien – um ihre Stories an den Mann bringen zu können!

Die Tiere sind deshalb friedlich, weil sie satt sind. Drogen könnte der empfindliche Metabolismus der Tiger gar nicht vertragen und die Großkatzen würden jämmerlich an beispielsweise Nierenversagen eingehen.

Der Handel mit Teilen von Tigern blüht in genau dem Land, wo auch Haifischflossen, Schangenblut, Embryos von Säugetieren und noch ganz andere Sachen als Delikatesse gelten. China und der chinesische Bedarf wird auch dort befriedigt, wenn Chinesen wohlhabend im Ausland hausen.  Körperteile vom Tiger und Nashornpenisse, gelten dort beispielsweise als Aphrodisiac der Sonderklasse. Gezahlte Höchstpreise der kümmerlichen Don Juan's dort, dezimieren diese Großkatzen in den wenig wohlhabenden Staaten, wo sie zu Hause sind. Der Handel blüht unterdessen weiter!

Deshalb liegt es mir auch fern, hier im Tigertempel den Zeigefinger zu heben und mit Besserwissermaßstäben lautstark nach Perfektion zu rufen. Man tut hier unzweifelhaft etwas für die Tiere und trägt etwas zur Arterhaltung bei. Verächtenswert sind die Praktiken derjenigen, welche wilde Tiere verzehren oder bewußt behindern, um diese zur kommerziell zur Schau zu stellen. Ich denke hier an Adlerdarbietungen auf Phuket (die Tiere haben gestutzte Flügel) und die zahlreichen Schlangenshows in Asien mit Reptilien, denen die Giftzähne herausgebrochen wurden.


Retour aus den Grenzdschungeln zu Burma

Wednesday, October 6th, 2010

© 2010 Frank P. Schneidewind

Die restlichen Meter zum Sri Nakarin Stausee, den wir schon von der Aussichtsstelle aus gesehen hatten, verlief ohne besondere Vorkommnisse auf graduell besser werdenden Straßen. Si Sawat hieß die größere Ortschaft hier am Ufer und die Straßen ab hier waren in bekannt guter Thai-Asphaltqualität. Irgendwo sehen wir dann das Hobbyprojekt eines Thais, der wohl zuviel Geld übrig hat. Ein Riesenschiff liegt hier am Ufer festgemacht und sieht seiner Fertigstellung entgegen.  Wie man hier in dieser gottverlassenen Einöde ein vielstöckiges Passagier-Kreuzfahrtschiff für offensichtlich mehrere hundert Passagiere auch nur konzipieren kann – das wird auch für uns ein ungelüftetes Geheimnis verbleiben.

In südlicher Richtung fuhren wir am Seeufer entlang und werden Augenzeugen einer Schandtat.  Die Straße endet an einem Fährenrämpchen und ein Trucker hat seinen völlig verdreckten und verölten LKW mitten im hiesigen Trinkwasserreservoir geparkt – und unterzieht diesen einer gründlichen Wäsche.

Farbenfroh schillert die Wasseroberfläche hier in allen Regenbogenfarben, aber der Sauberkeitsfanatiker weiß wahrscheinlich gar nicht, dass mit jedem Liter Öl, den er hier hineinspült, 100.000 Liter Trinkwasser verseucht sein werden.  Tote Fische und ölverdreckte Vogelleichen dümpeln zahlreich in dieser Idylle herum. Mir schwellen die Halsschlagadern an, aber ich muss mich zusammenreißen, denn ich bin ja nur geduldeter Gast hier.

Hier existierte dann auch eine offene Autofähre zum anderen Seeufer hinüber. Die Fähre war zwar etwas betagt, aber immer noch wirklich gut in Schuß.

Wären wir nicht eben noch Augenzeugen einer echten Umweltsauerei gewesen, hier wirkt sonst fast Alles wirklich idyllisch unberührt und sauber. Dem See kann man hier bis fast auf den Grund schauen.  Für uns brach der Abend herein und die restlichen 100 KM bis nach Kanchanaburi legten wir über die Straße 3199 immer in Richtung Südsüdost im Zwielicht und später in der Dunkelheit zurück.  Hotels gab es hier nur wenige. Wir wussten aber, dass in Kanchanaburi etliche brauchbare Herbergen auf uns warteten.

Ein leichter Nieselregen begleitete uns auf der gesamten Strecke und stellenweise sorgen tiefhängende Wolken für schier undurchdringlichen Nebel. Wir fuhren sehr vorsichtig weiter. Gegen 20:00 Uhr rollen wir in Kanchanaburi ein. Ein ereignisreicher Tag liegt hinter uns, und Franky turnt am Markt erstmal auf einer hier abgestellten alten Showlokomotive herum.

Hier ist auch der Bahnhof, oder zumindest das, was man in der Provinz unter einem Bahnhof versteht.

Hinsichtlich einer Schlafgelegenheit haben wir ein Stückchen weiter die Hauptstraße hinunter großes Glück. Das Prunkhotel hat noch ein kleineres dazuerworben, und dieses neue Tochterhotel wirbt mit Niedrigpreisen, aber dem gleichen Service und sogar identischem Mobiliar in den Zimmern, wie das Prunkhotel nebenan hat.

Franky und ich ziehen nach dem Checkin noch einmal etwas um die Häuser und essen erstmal richtig zu Abend.   Die süßen Promo-Girls der Disco hatten an Franky großen Spaß, und hätten meinen Junior gern' gleich dabehalten.

Die unmittelbare Nähe des riesigen Massagesexbunkers stört uns nicht in unseren Träumen, und den Krach von der Straße nahmen wir auch nach dem ereignisreichen gestrigen Tag nur noch wie durch dicke Wattebäusche wahr.   Franky jagt bei der Morgentoilette noch einen fetten, dunkelroten Kakerlak mit einer Zeitung, und entsorgte ihn dann nachhaltig und fachgerecht.

Beim Frühstück flirtet er dann mit einer wunderschönen, vielleicht 16 jährigen Servicekraft, die mit ihrem unbestechlichen Lächeln eine sehr angenehme Laune verbreitete. Der Kaffee schmeckte abgestanden und fade, der Toast war laff und nicht braun genug, die Butter zu weich und die Eier zu hart….aber egal, Franky gefiel es hier sehr.

Wir cruisen gemütlich durch die Backpacker-Gegend von Kanchanaburi in Richtung Fluß. Hier hat offensichtlich die Khao San Road eine Dependance, denn die Zielgruppe scheint weitestgehend identisch zu sein. Hippietypen mit langem Zottelhaar fahren auf den klapprigen Fahrrädern der Drahteselverleiher umher, und laben sich mit ihren Wickelrockweibchen an den Billigtouri-Freßständen.

Die Kajak-Rentaltypen und Elefantentrekkingbookingoffices haben derzeit in der Low-Season keine Hochkonjunktur. Nur vereinzelt sieht man Aktivität.  Wir rollen auf den fast leeren Riesenparkplatz bei der Brücke, und werden fast von wahren Horden von Reisebussen gescheucht. Japaner, Australier und auch chinesische Pauschaltouris fallen hier in Horden ein.

Kanchanaburi, eigentlich ein eher verträumtes Provinznest mit viel Natur und wenig Industrie ist deshalb auf der touristischen Landkarte zu finden, weil hier in den 40er Jahren die japanische Besatzungsarmee ein KZ errichtete, und man die dort beschäftigten Kriegsgefangenen Briten, Australier und andere alliierte POW's dazu zwang, eine Brücke über den Fluß Kwae zu bauen.

Das Ganze wurde dann in sehr theatralischer und heroischer Form zum Gegenstand eines oscar-einheimsenden Filmes der frühen Monumentalfilmepoche. Unter : "Die Brücke am River Kwai" war der Leinwandschinken in 1957 ein internationaler Erfolg. Alec Guinness und William Holden spielten die Hauptrollen.

Der gepfiffene Marsch der Kriegsgefangenen zu ihrer Fronarbeit ist damals ein "Gassenhauer" gewesen, und jedermann kannte ihn. Noch heute hat diese Filmmelodie einen sehr hohen Wiedererkennungswert, und wird z.B. von der elitären Eastern & Oriental Railroad Company den Edelpassagieren ihrer Hochpreis-Bahntouren bei der Passage dieser Brücke vorgeflötet.  Reise Showsache, denn weder die Brücke von heute, noch die Melodie hat irgend etwas mit den wirklichen historischen Geschehnissen gemeinsam.

Die Brücke von heute ist neben der Golden Gate Bridge bei San Francisco das meistfotografierte Brückenbauwerk dieses Planeten. Warum fragt ihr, denn die Brücke sieht so unscheinbar aus, wie Dutzende anderer in Asien auch.

Lange nach Beendigung der Kampfhandlungen im 2, Weltkrieg wurde sie als Ersatz für die völlig zerbombte Originalbrücke gebaut, nur der Standort ist annähernd der Gleiche wie damals. Maenam Kwae, River Kwai – wen stört's, amerikanische Banausen haben uns ja auch Haidelbörg, Cologne und Munich beschert. Das der bajuwarische Märchenkönig ein guter Freund von Walt Disney war, denn er hat das Cinderella Castle in Neuschwanstein ja schließlich vom Walt kopiert – aber das wissen wir ja auch alle schon länger!

Nun locken die Touristendollars, und selbst das hochoffizielle TOT  (thailändische Touristenbehörde) verleugnet hier in Kanchanaburi den wirklichen Namen des Flußes.

Selbst so früh am Morgen klicken die Kameras der Pauschaltouris in einem Stakkato, wie man es nur noch aus dem Wat Phra Keo, der Krokodilfarm oder dem Angkor Wat kennt.

5Tage-Touren mit 37,5 Stops in 13 Städten sind bei den Chinesen besonders beliebt. Sie hetzen auch hier bei dem 8 Minuten Stopover einmal über die Brücke hin und her, und verschiessen bei dieser Gelegenheit je 3 Rollen Film.

Wir haben einen kleinen Vorsprung vor dem Tourimob, und den nutzen wir – denn die müssen zunächst noch ihre Souvenirshoppingsucht in den an den Parkplatz angrenzenden  "Spezialtouri-Discountshops" befriedigen

Die Brücke bietet (übrigens noch Eintrittsgeldfrei!) Touristen die Möglichkeit hinüberzulatschen. Auf den zwischen dem einen Schmalspurgleis verlegten groben Brettern ist das auch ein wahres Abenteuer für die Stöckelschuhladies aus den Bussen.

Uns beirrt das nicht, und wir überqueren die Brücke schnell, um vor dem Ansturm einige Fotos machen zu können.

Die Brücke bietet im Überquerungsbereich des Flußes Ausweichbalkons für den seltenen Fall, das hier ein Ausflugsbummelzug Touris herbringt.  Im Gleisbereich gibt es kein Geländer, und die Passage ist für ältere und gebrechliche Zeitgenossen nicht zu empfehlen.

Auf der anderen Flußseite geht es neppermäßig zu!

Hier angesiedelte fliegende Händler haben Unmengen an Tand im Programm. Natürlich zu Wucherkursen!

Schon die Hinweisschilder sind zielgruppengerecht in japanischer und chinesischer Sprache abgefaßt. Es soll hier der Eindruck erweckt werden, als sei man in Burma – obwohl die Grenze noch über 100 KM entfernt ist.

Die meisten Dooftouristen glauben das dann auch, und ein "Borderguard" in burmesischer Phantasieuniform läßt sich dann auch gern von den "todesmutigen" Touristen gegen deftige Bezahlung mit den anderen Pauschaltouris ablichten. Seine AK 47 verschießt kleine Plastikkugeln, und die Rambos unter den Touris greifen beherzt zu RPG-Atrappen oder anderen Plastikwaffen im Echtlook.

Ansonsten, viel billiger Handarbeitstand und sogar "Original Burmese Jewellery" – naja, so manch' Oberschlauer wird später 'mal feststellen, das sein "Burmesischer Rubin" bei nüchterner Betrachtung doch mehr Ähnlichkeit mit rotgefärbtem Glas hat.

Ein privates "Museum" mit wilden, aber hochflexiblen Eintrittsforderungen ist in einem zeltähnlichen Bauwerk untergebracht, und hier gibt es massenweise alte Fotos zu bestaunen. Die gleichen Fotos kann man aber auch auf dem Chatuchak-Flohmarkt in Bangkok an jedem Wochenende für 10 Baht erstehen – deshalb streichen wir das von unserem Plan. Wir weichen den dichter werdenden Touristenströmen aus, und machen uns auf den Rückweg zu unserem Auto über die Brücke.

Mitten auf der Brücke hören wir plötzlich ohrenbetäubend laute Musik. Chinesische Weisen dringen da an unsere Ohren, und wir sehen uns suchend um.

Es dauert einen Moment, bis wir die Quelle des unangenehmen Schalles entdeckt haben!

Ein Schlepper zieht unten auf dem Fluß eine Karaokedschunke durch die Fluten.

Immer lauter werdend zog der lärmende Konvoy langsam unter uns durch. Der Schalldruck dort unten muß körperverletzenden Charakter haben, aber schlimmer noch sind wohl die falschen Töne zum Dröhnbass – denn selbst die Landsleute, die hier auf der Brücke in Richtung "Burma" dackeln, verziehen das Gesicht seltsam.

Gelangweilt und vielleicht fast bewußtlos vom Krach und dem Mekhong/Soda (oder was immer auch die Bänkelsänger dort auf dem Kahn vernichten) hängen die Passagiere auf der Dschunke herum.

Fast auf der anderen Seite angekommen knipsen wir noch die sündhaft teuren "Speedboats", die hier in der Hochsaison willige Touristen zu Freierpreisen über dem Maenam Kwae kutschieren. Im Hintergrund sieht man auch eines der hier zahlreich vertretenen gastronomischen Betriebe zu Wasser.  Seafoodspezereien zu Abkocherpreisen, aber man gönnt sich ja sonst nichts, auf so einer Megatour durch ganz Thailand in unter einer Woche.