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Narathiwat – Traumstrände, Schusswaffen, Sicherheitsbedenken

Monday, November 23rd, 2009

© Frank P. Schneidewind

 

 


Selbst in Thailand gibt es ganze Regionen, in welchen der Massentourismus der Urlauberziele im Lande keinerlei Auswirkungen zeigt. Das liegt nicht etwa an mangelnden Sehenswürdigkeiten, nicht vorhandenen tollen Stränden oder fehlenden Hotels und Unterkünften. Ja es liegt oder lag bisher auch nicht etwa an den unzureichenden Transportmöglichkeiten dorthin. Narathiwat bedeutet übrigens: „Residenz weiser Leute” und dieser Name hat seinen Ursprung im antiken Sanskrit.

 

Offensichtlich haben die Namensgeber aber nicht die Meinung mancher heutiger Einwohner eingeholt, denn Narathiwat ist mehr oder weniger das Zentrum der Terroraktivitäten moslemischer Extremisten. In der 2. Junihälfte  2009 führten Erschiessungen von Zugpersonal durch Terroristenkommandos in Passagierzügen zu einer kompletten Isolation der Problemprovinzen im Süden hinsichtlich der Zugverbindungen. Narathiwat ist durch die Entscheidung der Staatseisenbahn, aus der Gefährdung heraus keinen Punkt mehr südlich von Hat Yai anzufahren, nun ein Versorgungsproblem. Einwohner sind der preiswerten Möglichkeit beraubt, die vorher so beliebten Einkaufstouren nach Hat Yai zu unternehmen. Es gibt zwar Busse, aber diese sind hoffnungslos überfüllt und auch nicht gerade als sicher zu bezeichnen. Sie sind obendrein teuer und die mordlustigen Extremisten haben noch im letzten Jahr die kompletten Insassen eines Minibusses beraubt und hingerichtet (erschossen, dann geköpft). Auf der Strecke von Yala nach Rueso. Die 3. Klasse ist nur bedingt komfortabel aber dafür sehr, sehr günstig. (Anm. d. Verfassers: die Strecke gilt nun wieder als “sicher” und wurde erneut für den Zugverkehr freigegeben.)

Schon seit Jahren werden die Provinzen Narathiwat, Yala und Pattani von Unruhen und Bombenanschlägen moslemischer Terroristen geplagt. Direkt an Malaysias Koranhochburg Kelantan grenzend, ergibt sich eine unangenehme, logistische Situation für das Thai-Militär und die örtlichen Ordnungskräfte, welche sich hier vornehmlich im Visier der Extremisten und Separatistenbewegungen befinden. Die Täter entkommen nach ihren Anschlägen wieselflink entweder über die recht offene Grenze oder ziehen sich in unwegsame Dschungelgebiete (Hala-Bala Nat’l Park) zurück. Allerorts schwer bewaffnete Straßensperren und stationierte Milizen in jeder Ortschaft sollen aber für Ruhe und Ordnung sorgen.

Dutzende von Strassensperren, schwerbewaffnet und gesichert. Auf dem Wege von der nächstgelegenen Bahnstation nach Narathiwat Town ins Hotel.

Zwischen malerischen Fischerkähnen, die hier im Hafen ihre Netze zum Trocknen aushängen, kreuzen Patrouillenboote der Navy. Panzerfahrzeuge sichern Straßenkreuzungen und aus vielen Fahrzeugen schauen Maschinengewehrläufe heraus. An Pfadfindertrupps erinnernde, aber mit Maschinenwaffen versehene Jungsoldaten auf flinken Motorrädern, sichern in ganzen Gruppen die Innenstädte.

Die Banken sind verbarrikadiert, Polizeistationen und alle Regierungs- und Verwaltungsgebäude sowie Schulen mit S-Drahtverhauen umgeben und oft durch massive Sandsackhaufen geschützt.

Des Nachts und auch am Tage patrouillieren schwer bewaffnete Militärfahrzeuge durch die Gassen der ansonsten so friedlich wirkenden Städtchen und Dörfer.

Wir haben diese Problemregion soeben erneut bereist und kehren wiederum mit gemischten Gefühlen zurück. Die allgegenwärtige Staatsgewalt in Uniform mag zwar die Extremisten zwingen, weiterhin im Untergrund zu agieren. Aber ob das die Region langfristig befriedet?

Während meines Aufenthaltes dort wurden nun die völlig unbeteiligten Zugbegleiter eines überregionalen Passagierzuges von Terroristen hingerichtet, etliche mutmaßliche Guerillas wurden festgenommen – und eine Handvoll Ordnungshüter und Soldaten wurden von Scharfschützen unter den Extremisten entweder schwer verletzt oder getötet. Bomben zerfetzen Marktbesucher und Lehrer tragen schusssichere Kluften.

Bomben vor Wochenmärkten, heimtückisch in geparkten Motorrädern versteckt, sorgten für viele zusätzliche Opfer. Jedes buddhistische Tempelgelände und jeder friedfertige Mönch dort hat sich an die omnipräsente Anwesenheit von Militäreinheiten zu deren Schutz schon gewöhnt. Besonderen Schutz geniessen auch Buddhafiguren, Lehrpersonal an den Schulen und alle Offiziellen, egal ob es sich dabei um Uniformträger oder nicht handelt.

Das macht auch vor dem Stadtplatz nicht Halt, wo sich allabendlich vornehmlich jüngere Einwohner zur Gruppengymnastik treffen, auch nicht vor dem samstäglichen Open-Air-Konzert an der Bang Nara-Flusspromenade. Jedes Moped wird genauestens vom Militär gecheckt, bevor es weit vom Geschehen weg abgestellt werden darf. Jeder Besucher muss Metalldetektoren durchschreiten und sich einer Leibesvisite unterziehen. Die Kontrollpunkte werden jeweils von einem guten Dutzend Elitesoldaten, deren weiblichen Kolleginnen und schwarzen Sheriffs bemannt. So etwas gehört hier zum täglichen Leben im Süden!

Nicht umsonst warnen ausländische Ministerien vor allen Reisen hierher.

Wenn diese unangenehmen Begleitumstände nicht wären, dann hätte man alleine in der knapp viereinhalbtausend Quadratkilometer großen Provinz Narathiwat wohl Vielzahl mehr an echten Sehenswürdigkeiten zu bieten, als so manche von Touristen überfüllte Provinz das kann. Hotels gibt es reichlich, und sie sind hier sehr preiswert, man bezahlt z.B. im „Ocean Blue Mansion” direkt am Fluß kurz vor dessen Mündung in den Golf, für ein klimatisiertes Zimmer mit Heisswasserdusche, Kühlschrank, Kabel-TV, einfacher Möblierung und Balkon mit herrlicher Aussicht, gerade einmal 450 Baht/Nacht. Viel billiger wird es bei Langzeitmieten!

Im Ort gibt es auch ein 4-Sterne-Hotel und zahllose Einfachunterkünfte ab 80 Baht!

Die Stadt selbst hat einen fast fünf Kilometer langen Sandstrand an der Küste. Dieser heisst Hat Narathat und zieht sich von der Mündung des Bang Nara-Flusses bis weit nördlich der Stadtgrenze hin. Hier ist es sehr idyllisch, die unmittelbare Nähe der Provinzhauptstadt bemerkt man gar nicht. Hier treffen sich am Nachmittag die Frauen der Stadt zum Plauschen und Beachpicnic, Kinder toben im flachen Wasser herum oder lassen dann mit einsetzender Dämmerung in der Seebrise wunderschöne, handgearbeitete Windvögel mit ihren Vätern steigen.



Muhammed, der Eiskrem- und Coca-Cola-Verkäufer, hat hier sein angestammtes Revier und stellt neben den wenigen anderen Drink & Snackanbietern und Garküchen die gesamte Infrastruktur dieses sehr langen und auch weiten Sandstrandes dar.

Noch viel idyllischer wird es wenige Kilometer südlich der Flussmündung. Hier hat die Natur den Khao Tanyong genannten Berg hingepflanzt. Dieser ist komplett bewaldet und steht direkt an einer Bucht namens Ao Manao, was soviel wie Zitronenbucht bedeutet. Schon König Bhumipol erkannte die grandiose Lage und liess sich in 1975 einen feudalen Sommerpalast hierher bauen. Allerdings überliess er den Bürgern Narathiwats die tolle Badebucht zur Stadtseite hin und beschränkte sich auf ein kleines Areal auf der fernen Seite des Berges. Er machte dann das ganze Gebiet kurzerhand zum Nationalpark, aber ein Eintritt wird hier nicht erhoben!

Ao Manao ist für mich die absolut beste Badebucht im gesamten Festlandsbereich des Königreiches. Ein sauberer, aber völlig naturbelassener Strand zieht sich nach Süden über etliche Kilometer hin und wird von grossen, rundgeschliffenen Felsen gelegentlich unterbrochen. Badefreunde, Strandwanderer und Naturliebhaber, kommen hier gleichermaßen auf ihre Kosten.


Das klare Meerwasser lässt Muscheln und dergleichen noch erkennen, wenn man bis zum Bauchnabel im Wasser steht, die „Verunreinigungen” am Strand sind angespülte Treibhölzer. Im Schatten der ufernahen Bäume hat die Parkverwaltung an manchen Stellen steinerne Einfachmöbel in Gruppen platziert, die kleinen Scheuerspuren meiner Hängematte in der Rinde zweier Baumriesen, verraten mir auch noch ein halbes Jahr nach meinem letzten Besuch hier, wo ich damals meine Seele gerne habe baumeln lassen. Das ist auch unser erklärter Lieblingsbeach auf dem Festland und noch lange nicht jeder Inselbeach kommt qualitativ an ihn heran.


Man begegnet hier nur selten einem anderen Menschen. Mit dem Parkranger bin ich seit Jahren befreundet und selbst die gelegentlich am Abend vorbeischauende Muschelsammlerin, die hier ihren heimischen Kochtopf füllt, die grüßt schon freundlich von weitem und wird mir später voller Stolz ihren heutigen Fund zeigen.


Angebliche Thailandkenner und selbsternannte Bibeln für den Reisenden ignorieren diese Region klassisch. Verständlich, wenn man bedenkt, dass deren Lehnstuhljournalisten oft ganz einfach “Muffe” oder “die Hose voll” haben, wenn diese nur an Pulverrauch, Schusswaffen oder verschärfte Sicherheitsbedingungen. Wiedergegebene Daten von hier werden abgeschrieben oder aus den Werken Anderer entnommen und umformuliert. Kopierautoren beherrschen die News- und Reisemedien der Welt, die wirklichen “Contentersteller” speist man dagegen mit kümmerlichen Almosen ab.


Wenn Reiseführer, Glanzfotobroschüren und andere von Thailands Süden reden, den echten Süden aber dabei gänzlich ausklammern, dann reden die nur vom touristischen Süden und begehen geographisch einen echten Fehler! Samui, Phuket und die anderen Touristenhochburgen sind viele 100 km nördlich von hier. Thailand wäre um eine Unmenge an Attraktionen reicher, wenn “im Süden” einmal ein dauerhafter Frieden einkehrt.